Kategorien
Allgemein

Wie lange musst du auswandern, um wirklich Steuern zu sparen?

Weniger Steuern zahlen im Ausland: auf die Dauer kommt es an

Viele Unternehmer träumen von einer Auswanderung in ein (Steuer-)Paradies. Als Steuerberater mit Schwerpunkt im internationalen Steuerrecht habe ich schon viele Unternehmer bei diesem Schritt begleitet. Beim Vergleich der aktuellen Steuerlast in Deutschland mit der Steuerersparnis im Ausland macht die Firmengründung im Ausland auf den ersten Blick immer Sinn.

Doch die Rechnung geht nur auf, wenn das Leben im Ausland auch einen gewissen Bestand hat. Die Dauer deiner Auswanderung spielt aus zwei Gründen eine entscheidende Rolle:

  1. Du musst lange genug abwesend sein, damit deine Steuerpflicht in Deutschland rechtssicher beendet wird
  2. Wer nur vorübergehend auswandern will, muss gut kalkulieren. Neben den Gründungskosten für ein Unternehmen fallen später auch Beendigungskosten im Ausland an. Je länger du auswanderst, desto weniger fallen die Kosten gegenüber deiner Steuerersparnis ins Gewicht

Ab welcher Dauer deine Auswanderung Sinn macht, erfährst du in diesem Beitrag

Auswandern: wirklich dauerhaft oder nur vorübergehend?

Wenn du auswandern und im Ausland Steuern sparen möchtest, solltest du dir Gedanken darüber machen, ob du tatsächlich dauerhaft im Ausland leben willst oder eher in ein paar Jahren wieder nach Deutschland zurückkehrst.

Eine Rückkehr nach Deutschland kann vielfältige Gründe haben, z.B. eine Partnerschaft oder Kinder, familiäre Umstände, eine Krankheit oder der Aufbau eines Unternehmens, das eine Anwesenheit in Deutschland erfordert.

Deine Entscheidung erfordert also viele Überlegungen, die sowohl dein berufliches als auch dein privates Leben betreffen. Vorab solltest du dir aber im Klaren darüber sein, wann du aus steuerrechtlicher Sicht „im Ausland lebst“ und wann du „zurückgekehrt“ bist. Denn erst dann steht die Planung deiner (steuerlichen) Auswanderung auf einem zweckmäßigen Fundament.

Dafür erkläre ich dir zunächst die 4 wichtigsten Faktoren zur Beendigung deiner unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland und gebe dir anschließend eine Empfehlung aus meiner langjährigen Praxis als Steuerberater.

Die 4 wichtigsten Faktoren für Auswanderer zur Steuerpflicht in Deutschland

easydigitax dauer der auswanderung

#1: Dein gewöhnlicher Aufenthalt entscheidet über deine Steuerpflicht

Exkurs: Wann bist du unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland?

Die unbeschränkte Steuerpflicht nach § 1 (1) (= Absatz 1) Einkommensteuergesetz (EStG) knüpft entweder an den Wohnsitz nach § 8 Abgabenordnung (AO) oder den gewöhnlichen Aufenthalt nach § 9 AO an.

Der Wohnsitz setzt eine Wohnung in Deutschland voraus, über die du jederzeit verfügen kannst. Damit lässt sich meist relativ eindeutig bestimmen, ob du noch einen Wohnsitz in Deutschland hast und wie du den Wohnsitz beenden kannst.

Die Definition des gewöhnlichen Aufenthaltes ist dagegen viel schwammiger. Wenn du dich weniger als 183 Tage im Jahr in Deutschland aufhältst, ist das ein Indiz dafür, dass du hier keinen gewöhnlichen Aufenthalt hast. Ein abschließender Beweis ist es jedoch nicht. Auch bei einer kürzeren Aufenthaltszeit in Deutschland kann ein gewöhnlicher Aufenthalt angenommen werden, wenn du dich „nicht nur vorübergehend“ in Deutschland aufhältst. Bedeutend ist dabei diese gesetzliche Definition in § 9 AO:

„Den gewöhnlichen Aufenthalt hat jemand dort, wo er sich unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass er an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht nur vorübergehend verweilt.“

Im internationalen Steuerrecht und vor allem in den Doppelbesteuerungsabkommen kommt es zusätzlich entscheidend auf den Lebensmittelpunkt an. Dabei wird entweder auf den Wohnsitz oder meist auf den gewöhnlichen Aufenthalt abgestellt.

 

Um deine Steuerpflicht in Deutschland zu beenden darfst du also weder einen Wohnsitz noch deinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Ansonsten musst du wie bisher eine Steuererklärung abgeben und auch deine ausländischen Einkünfte angeben, die zumindest dem Progressionsvorbehalt unterliegen. Bei ungünstigen Konstellationen müssen ausländische Einkünfte dann sogar in Deutschland versteuert werden.  

Das willst du natürlich vermeiden. Bei deiner Auswanderung solltest du unbedingt sicherstellen, dass du deinen Wohnsitz, deinen gewöhnlichen Aufenthalt und deinen Lebensmittelpunkt nicht mehr in Deutschland hast und deine Steuerpflicht rechtssicher beendest. Deine Tätigkeit im Ausland nimmst du bestenfalls erst danach auf. 

#2: gewöhnlicher Aufenthalt = „nicht nur vorübergehend“ in Deutschland

Du hast deinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland beendet, wenn du „nicht nur vorübergehend“ abwesend bist. Oder umgekehrt formuliert: wer „nicht nur vorübergehend“ in Deutschland ist, hat hier seinen gewöhnlichen Aufenthalt. Deine Auswanderung ist somit erst dann steuerrechtlich wirksam, wenn sie „nicht nur vorübergehend“, sondern dauerhaft ist.

Das bringt uns zur nächsten kniffligen Frage: was bedeutet nun „dauerhaft“?

#3: Auswanderung = mindestens 6 Monate im Ausland

Eine Grundregel lautet: nur wer mindestens 183 Tage lang nicht mehr in Deutschland ist, hat hier auch keinen gewöhnlichen Aufenthalt mehr. Erst wenn du mindestens 6 Monate auswanderst, kannst du deine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland mit dem Tag deiner Ausreise beenden. Ein paar wenige Besuche in Deutschland sind dabei auch okay, solange du nur kurzfristig hier bist.

Achtung: die 183-Tage-Regel ist nicht 100 % rechtssicher!

Exkurs: Im Gesetz lauert eine weitere Falle, denn in Ziffer 4. zu § 9 AO im Anwendungserlass zur AO (AEAO) ist Folgendes geregelt:
„Der gewöhnliche Aufenthalt im Inland ist aufgegeben, wenn der Steuerpflichtige zusammenhängend mehr als sechs Monate im Ausland lebt, es sei denn, dass besondere Umstände darauf schließen lassen, dass die Beziehungen zum Inland bestehen bleiben.
Entscheidend ist dabei, ob der Steuerpflichtige den persönlichen und geschäftlichen Lebensmittelpunkt ins Ausland verlegt hat und ob er seinen Willen, in den Geltungsbereich dieses Gesetzes zurückzukehren, endgültig aufgegeben hat.“

Wenn du nur etwas länger als 6 Monate ausgewandert bist, könntest du bei deiner Rückkehr ein Problem mit den Finanzbehörden bekommen. In der Praxis ist es so, dass dir viele Finanzämter bei einer kurzen Auswanderung von etwas über 6 Monaten unterstellen, dass du „nur vorübergebend“ im Ausland warst. So wird dann angenommen, dass du deinen gewöhnlichen Aufenthalt durchgehend in Deutschland hattest und entsprechend auch unbeschränkt steuerpflichtig warst. 

#4: Rechtssicherheit frühestens ab 13 Monaten

Ich fasse zusammen: wenn du zwischen 6 und 12 Monate auswandern möchtest, kommt es auf deinen Einzelfall an, ob deine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland beendet ist.

Aus meiner Erfahrung als Steuerberater kann ich sagen, dass erst ab mindestens 13 Monaten Abwesenheit nicht mehr angenommen wird, dass du „nur vorübergehend“ ausgewandert bist. 

Praxisbeispiel: Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 20.06.2001
Ein Rechtsanwalt hatte vom 01. Juli 1992 bis 31. Juli 1993 (also mehr als 12 Monate) in London gearbeitet. Das Finanzgericht Hamburg entschied: „Nach Auffassung des Senats hatten die Kläger in der Zeit vom 01.07.92 bis 31.07.93 weder einen Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Inland.“

Leider ist auch dieses Urteil nur eine Einzelfallentscheidung und nicht auf jeden beliebigen Fall übertragbar. Das heißt, auch ein 13-monatiger Auslandsaufenthalt ist noch keine absolute Garantie. 

Möchtest du mehr über das Thema Auswanderung erfahren?

Wir haben für dich einen ultimativen Fahrplan zu deiner rechtssicheren Auswanderung erstellst. Darin lernst du in 7 einfachen Schritten, wie du deine Auswanderung steuerlich rechtssicher umsetzt und nachhaltig Steuern sparst! Diesen Fahrplan erhältst du HIER kostenlos. Darin erfährst du wann eine Auswanderung finanziell wirklich Sinn macht, wie viele Steuern du sparen kannst, wann der beste Zeitpunkt für deine Auswanderung ist und vieles mehr! 

easydigitax auswanderer fahrplan

Wer ganz sicher gehen will: mindestens 24 Monate auswandern

Wer mindestens zwei Jahre auswandert, ist auf der sicheren Seite. Daher ist meine Empfehlung aus der Beratungspraxis, für mindestens 24 Monate auszuwandern.

Bei unterjähriger Auswanderung und unterjährigem Rückzug nach 24 Monaten ist so auch zumindest für ein Kalenderjahr keine Steuererklärung abzugeben bzw. zumindest keine Veranlagung zur unbeschränkten Steuerpflicht durchzuführen.

Diese Mindestdauer hat für Unternehmer noch einen zweiten Hintergrund, den ich dir nachfolgend erläutere.  

Meine Empfehlung für Unternehmer: mindestens 3-5 Jahre auswandern

Die Dauer deiner Auswanderung spielt eine weitere wichtige Rolle, wenn du als Unternehmer auswanderst und ein Unternehmen im Ausland gründest. Je länger du im Ausland lebst, desto größer ist deine Steuerersparnis gegenüber den Kosten für die Gründung und Beendigung deines Unternehmens. Denn um dein Sparpotenzial berechnen zu können, solltest du vorab nicht nur den finanziellen Aufwand der Gründung kalkulieren, sondern auch die Kosten der Liquidierung des Unternehmens im Ausland berücksichtigen. Die Unternehmensgründung im Ausland lohnt sich vor allem dann, wenn du dein Unternehmen dort auch über längere Zeit führst. 

Du solltest vor allem folgende Faktoren kennen, die in deine Berechnung miteinfließen:  

  • Wegzugsbesteuerung & Beratung: eine Auswanderung als deutscher Unternehmer kann zu einer Wegzugsbesteuerung führen. Lass dich hierzu unbedingt individuell und umfassend beraten, vor allem wenn dein deutsches Unternehmen schon recht profitabel ist (ab ca. 40.000 € Gewinn). Die Beratungskosten und ggf. Wegzugssteuern sind bereits ein Teil deiner Kostenrechnung.
  • Zielland & Rechtsform: dein zukünftiges Setup im Ausland, d. h. die Wahl des Sitzlandes und der richtigen Rechtsform entscheiden darüber, wie viel Steuern du in Zukunft (weniger) zahlst. Daher solltest du auch hier nicht an einer guten Beratung sparen.
  • Gründungskosten: die Gründung eines Auslandsunternehmens und die Wohnsitznahme verursachen einmalige Kosten im Zielland.
  • Laufende Kosten: die Betreuung deines Auslandsunternehmens verursacht ebenfalls Kosten. In der Regel sind diese aber niedriger als in Deutschland und können daher bei deiner Berechnung vernachlässigt werden. Vergleiche aber sicherheitshalber deinen jetzigen mit deinem zukünftigen Aufwand.
  • Beendigung & Liquidierung: bei einem Rückzug nach Deutschland ist es meist sinnvoll, das Unternehmen im Ausland wieder zu schließen. Die Kosten für die Auflösung und Liquidierung sind in den meisten Ländern mit den Gründungskosten vergleichbar. Bis zur endgültigen Schließung fällt ggf. auch noch eine Jahresgebühr für die laufende Betreuung an.  

So gehst du bei der Kalkulation vor:

  • Schritt 2: multipliziere die geplante Mindestdauer deiner Auswanderung mit deiner jährlichen Steuerersparnis. Wie bereits erläutert, empfehle ich eine Mindestdauer von 2 Jahren, um deinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland und damit deine Steuerpflicht zu beenden.
    Aus finanzieller Sicht macht die Auswanderung aber vor allem ab einem Zeitraum von mindestens 3 bis 5 Jahren Sinn. Je nach Gewinn kann sich die Sitzverlegung ins Ausland allerdings auch schon ab 2 Jahren lohnen
  • Schritt 3: vergleiche deine erwartete Steuerersparnis mit den Kosten der Gründung, Betreuung und Liquidierung. Wenn du für deine Situation die richtigen Entscheidungen triffst, bleibt am Ende der Rechnung ein guter Überschuss und die Auswanderung mit deinem Unternehmen ist steuerlich und finanziell rentabel

Beispielrechnung: Steuerersparnis bei einer Auswanderung nach Zypern für 3 Jahre:

Wer sein Unternehmen von Deutschland nach Zypern verlegt, spart bei einem Jahresgewinn von ca. 40.000 € etwa 3.900 € Steuern. Bei einer mindestens 3-jährigen Auswanderung ergibt sich ein Gesamt-Steuerersparnis von ca. 11.700 €.

Von dieser Ersparnis ziehen wir die folgenden einmaligen Investitionen ab:  

  • Beratung durch einen deutschen Steuerberater für eine rechtssichere Auswanderung: ca. 2.500 € (abhängig von der Unternehmensgröße etc.)
  • Wegzugssteuern: 0 € (i.d.R. vermeidbar bei einem Gewinn bis 40.000 €)
  • Gründung des Unternehmens in Zypern: 2.900 €
  • Liquidierung des Unternehmens in Zypern: 2.900 €

Damit kommen wir auf einmalige Gesamtkosten von 8.300 €. Ziehen wir diese Kosten von der Steuerersparnis ab, bleibt ein Überschuss von 3.400 €

FAZIT: ab welcher Dauer macht eine Auswanderung steuerlich Sinn?

  1. Um die Steuerpflicht zu beenden: deinen gewöhnlichen Aufenthalt und damit deine unbeschränkte Steuerpflicht kannst du rechtssicher beenden, wenn du für mindestens 2 Jahre auswanderst
  2. Um Steuern zu sparen: die Gründung eines Unternehmens im Ausland rechnet sich finanziell dann, wenn die Firma dort 2-3 Jahre, besser 3-5 Jahre geführt wird
  3. Um Wegzugssteuern zu vermeiden: du solltest nicht nur lange genug, sondern auch zum richtigen Zeitpunkt auswandern. Denn je früher und je niedriger die Gewinne sind, desto weniger Wegzugssteuern zahlst du

Kommt eine Auswanderung für dich in Frage?

Wir haben für dich einen ultimativen Fahrplan zu deiner rechtssicheren Auswanderung erstellst. Darin lernst du in 7 einfachen Schritten, wie du deine Auswanderung steuerlich rechtssicher umsetzt und nachhaltig Steuern sparst!

Du bekommst den mehr als 20-seitigen Fahrplan als PDF kostenlos und sofort per E-Mail zugeschickt! Das Einzige, was wir uns als Gegenleistung für unsere Mühe wünschen, ist deine E-Mail-Adresse, um dir ab und zu neue Blogartikel und Updates zu senden – natürlich kannst du dich aber auch wieder abmelden! 

easydigitax auswanderer fahrplan
Kategorien
Allgemein

Ausreichend Liquidität trotz Corona: Stundung der Steuer, Soforthilfe, Maßnahmen zur Liquiditätsverbesserung

Update vom 27.02.2020: Keine unmittelbare Soforthilfe vom Bund!

Die weiteren Details zum Soforthilfeprogramm des Bundes sind mittlerweile veröffentlicht. Demnach gibt es kein gesondertes Soforthilfeprogramm vom Bund, sondern nur von den Bundesländern. Daher würde ich dir jetzt raten, dich zeitnah für das Soforthilfeprogramm des Bundeslandes zu bewerben, indem dein Unternehmen ansässig ist. Es sind in der Zwischenzeit schon mehrere 100.000 Anträge bei den verschiedenen Bundesländern eingegangen und es kann derzeit nicht abgeschätzt werden, ob die zur Verfügung gestellten Mittel ausreichen werden.

Hier findest du die Eckpunkte für die „Corona-Soforthilfe für Kleinstunternehmen und Soloselbständige“. Danach
stehen dir ab 9.000 € für 3 Monate zu. Ich gehe davon aus, dass die Soforthilfeprogramme der Bundesländer, welche niedriger bemessen sind, entsprechend erweitert bzw. aufgestockt werden. Daher die Empfehlung: Gib als Förderbedarf direkt mindestens den höheren Wert aus den beiden Soforthilfeprogrammen (Bund vs. dein Bundesland) an. Natürlich nur, sofern du förderberechtigt bist. Mehr dazu in meinem Blogartikel oder im Webinar.

Aus dem Soforthilfeprogramm des Bundes kann man außerdem ableiten, dass der Betrachtungszeitraum problemlos mit 3 Monaten angesetzt werden kann.

Weiterhin hat sich mittlerweile die Annahme durchgesetzt, dass die Zuschüsse steuerpflichtig sind. Du musst darauf also Einkommens- bzw. Körperschafts- und Gewerbesteuer zahlen. Abhängig von deinem Ergebnis für 2020 und sofern sich ein Gewinn ergibt.

Am Mittwoch, 25.03.2020 habe ich dazu auch ein Webinar gegeben. Das findest du hier.

Ab Minute 2:08 erläutere ich alles zur Steuer-Stundung. Ab Minute 15:24 zeige ich dir, wie man einen Antrag exemplarisch am Soforthilfeprogramm Bayern ausfüllt.

Für Bremen und Thüringen hat hier mein Kollege Ronald Fragen beantwortet.

Umsatzeinbußen durch Corona? - Jetzt handeln und Zahlungsschwierigkeiten vermeiden

Die aktuelle Gesundheits- und dadurch Wirtschaftskrise hat bereits bei vielen Unternehmern zu erheblichen Umsatzeinbußen geführt. Wir alle hoffen, dass die Krise schnell überstanden ist und wir diese privat wie unternehmerisch ohne gravierende Verluste meistern können.

Daher ist jetzt wichtig, schnell Maßnahmen zu ergreifen, um die Liquidität sicherzustellen und nicht in Zahlungsschwierigkeiten zu kommen. Vor allem, da Zahlungsausfälle oder -verzögerungen der Kunden einen Dominoeffekt haben können und auch eigentlich gesunde Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten bringen können.

Daher habe ich hier die wichtigsten Maßnahmen zur Sicherung deiner Liquidität für dich zusammengestellt.

Stundung der Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer seit 19. März 2020 (problemlos) möglich​

Am Donnerstag, den 19. März, hat das Bundesfinanzministerium das Schreiben „Steuerliche Maßnahmen zur Berücksichtigung der Auswirkungen des Coronavirus“ veröffentlicht. Folgende Maßnahmen können dir dabei unmittelbar helfen, deine Liquidität zu schonen:

1. Für die folgende Steuern kann Stundung bis 31.12.20 beantragt werden:

  • Umsatzsteuer (nächste Fälligkeit 10. April)
  • Einkommenssteuer
  • Körperschaftssteuer
  • Gewerbesteuer (über den Steuermessbetrag)

2. Auf die Erhebung von Stundungszinsen kann in der Regel verzichtet werden.

3. Außerdem kannst du einen Antrag stellen, deine anstehenden Steuervorauszahlungen auf eine angemessene Höhe zu reduzieren (nur Einkommen- und Körperschaftsteuer). Du kannst auch eine Reduzierung auf 0 € vornehmen, wenn du für 2020 mit keinem Gewinn mehr rechnest oder die Liquidität aus den Vorauszahlungen dringend benötigst. Die nächsten Vorauszahlungen sind am 10. Juni fällig.

4. In dem Antrag solltest du zumindest knapp deine aktuellen Verhältnisse und die Notwendigkeit der Stundung darstellen (z.B. dein (erwarteter) Umsatzrückgang). Ein exakter wertmäßiger Nachweis ist nicht notwendig.

Grundsätzlich ist keine Erstattung bereits geleisteter Steuern vorgesehen. Dennoch kann zumindest versucht werden, die Vorauszahlungen vom 10. März erstattet zu bekommen und gleichsam dafür Stundung zu beantragen.

Wenn du den Antrag selbst bei deinem Finanzamt einreichen willst, haben wir dir eine Vorlage beigefügt. Ergänze diese mit deinen persönlichen Daten, insbesondere für die Steuern und Zeiträume, die du stunden möchtest und ob ggf. Ratenzahlung möglich ist

  1. Ergänze eine plausible Begründung für die Stundung
  2. Schicke den Antrag per E-Mail oder Post an dein Finanzamt

Hier kannst du dir deine Vorlage herunterladen und wir halten dich mit Updates zu neuen Entwicklungen und Maßnahmen auf dem Laufenden. Insbesondere werden wir wieder das Soforthilfeprogramm des Bundes mit einer step-by-step Ausfüllanleitung vorstellen, sobald es verfügbar ist. Dabei werden wir auch auf die Problematik der Verrechnung der Soforthilfen eingehen.

Alternativ kannst du auch die Vorlage des Finanzamts Bayern nutzen (ohne Antrag auf Erstattung bereits geleisteter Zahlungen). Hier würde ich empfehlen, den Antrag per E-Mail zu senden, aber knapp in der E-Mail zu begründen.

Sobald sich deine wirtschaftliche Lage wieder nachhaltig verbessert, würde ich außerdem empfehlen die Steuern in Raten oder zumindest für einzelne Steuerarten zu zahlen. Andernfalls wird die vollständige Zahlung zum 1. Januar 2021 fällig.

Daher ist jetzt wichtig, schnell Maßnahmen zu ergreifen, um die Liquidität sicherzustellen und nicht in Zahlungsschwierigkeiten zu kommen. Vor allem, da Zahlungsausfälle oder -verzögerungen der Kunden einen Dominoeffekt haben können und auch eigentlich gesunde Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten bringen können.

Daher habe ich hier die wichtigsten Maßnahmen zur Sicherung deiner Liquidität für dich zusammengestellt.

Jetzt Soforthilfe zwischen 5.000 € und 30.000 € beantragen

Bayern hat als erstes Bundesland ein konkretes Soforthilfeprogramm veröffentlicht. Das Soforthilfeprogramm richtet sich an Betriebe und Freiberufler, die durch die Corona-Krise in eine existenzbedrohliche Wirtschaftslage bzw. in Liquiditätsengpässe geraten sind. Dabei können zwischen 5.000 € und 30.000 € beantragt werden.

Übersicht der Soforthilfen der Bundesländer

Da täglich neue Entwicklungen erfolgen, sind in der Zwischenzweit hoffentlich schon weitere Soforthilfeprogramm des Bundes und der anderen Bundesländer veröffentlich worden. Es ist davon auszugehen, dass diese vergleichbar zu Bayern ausgestaltet sein werden. Baden-Württemberg und Brandenburg wollen ihr Soforthilfeprogramm am Mittwoch, 25. März und Berlin am Freitag 27. März vorstellen.

Eine Übersicht über alle Soforthilfenprogramme dazu findest du hier: https://www.fuer-gruender.de/blog/corona-soforthilfen-bundeslaender/

Im Folgenden soll ein Antrag für das Soforthilfeprogramm in Bayern betrachtet werden.

corona krise

Beispiel: Soforthilfeprogramm in Bayern

 

Du bist antragsberechtigt, wenn deine Betriebs- bzw. Arbeitsstätte in Bayern ist. Das dürfte regelmäßig an dem Ort sein, an dem du dein Unternehmen angemeldet hast.

Die Soforthilfe ist gestaffelt nach der Zahl der Erwerbstätigen und beträgt:

  • bis zu 5 Erwerbstätige 5.000 Euro,
  • bis zu 10 Erwerbstätige 7.500 Euro,
  • bis zu 50 Erwerbstätige 15.000 Euro,
  • bis zu 250 Erwerbstätige 30.000 Euro.

Zur Berechnung der Umrechnung von Teilzeitkräften und 450 Euro-Jobs in Vollzeitäquivalente:

  • Mitarbeiter bis 20 Stunden = Faktor 0,5
  • Mitarbeiter bis 30 Stunden = Faktor 0,75
  • Mitarbeiter über 30 Stunden = Faktor 1
  • Mitarbeiter auf 450 Euro-Basis = Faktor 0,3

Der Antrag ist an die örtlich zuständige Bewilligungsbehörde zu richten. Dies ist diejenige, in deren Bezirk die Betriebstätte bzw. Arbeitsstätte des Antragstellers liegt, also beispielsweise die Stadt München oder die jeweiligen Regierungsbezirke in Bayern. Du musst dabei insbesondere folgende Angaben machen:

  • Rechtsform: Die Soforthilfe wird also unabhängig von der Rechtsform deines Unternehmens gewährt
  • Handelsregisternummer: Sofern vorhanden, viele Einzelunternehmen haben diese nicht
  • Betriebsnummer: Diese erhältst du vom Arbeitsamt. Sofern du keine Mitarbeiter hast, wirst du keine Betriebsnummer haben, aber auch nicht benötigen
  • Kontaktdaten: Du solltest alle Kontaktdaten angeben, um eine schnellstmögliche Beantwortung von Rückfragen und Bearbeitung des Antrags zu ermöglichen
  • Anzahl das Beschäftigen: Diese ist relevant für die Höhe der Soforthilfe, siehe oben
  • Grund für die existenzbedrohliche Wirtschaftslage bzw. den Liquiditätsengpass (kurze Erläuterung)

Dies ist mit Sicherheit der wichtigste Punkt im Antrag. Daher sollen hier vorab die Anforderungen Bayerische Staatsregierung aufgezeigt werden:

 

Liquiditätsengpass bedeutet, dass keine (ausreichende) Liquidität vorhanden ist, um z. B. laufende Verpflichtungen zu zahlen. Vor Inanspruchnahme der Soforthilfe ist verfügbares liquides Privatvermögen einzusetzen.

Das heißt nicht anzurechnen sind z. B. langfristige Altersversorgung (Aktien, Immobilien, Lebensversicherungen, etc.) oder Mittel, die für den Lebensunterhalt benötigt werden.

Vorsorglich wird darauf hingewiesen, dass der Antragsteller an Eides statt versichert, alle Angaben im Antragsformular nach bestem Wissen und Gewissen und wahrheitsgetreu gemacht zu haben.

Was ist verfügbares liquides Privatvermögen?

Als verfügbares liquides Privatvermögen dürfte vor allem sofort verfügbares Geld, also Cash auf Girokonten oder Tagesgeld, eingestuft werden, soweit dieses nicht für den Lebensunterhalt benötigt wird. Da es sich hier aber um eine langfristige Maßnahme handelt, sollte der benötigte Lebensunterhalt für die Phase des Liquiditätsengpasses zu Grunde gelegt werden. Also sicherlich für die nächsten 2 bis 3 Monate, meines Erachtens je nach Branche auch länger.

Außerdem muss das nach Abzug der Mittel für den Lebensunterhalt verfügbare liquide Privatvermögen mit den laufenden Verpflichtungen abgeglichen und ein dann noch bestehender Liquiditätsengpass für den oben genannten Zeitraum hochgerechnet werden. Ich würde erwarten, dass zumindest ein liquides Privatvermögen kleiner 10.000 € nicht anzurechnen und damit betrieblich genutzt werden muss.

Wenn du also nicht über ausreichendes, anrechenbares und verfügbares liquides Privatvermögen verfügst und einen Liquiditätsengpass erwartest, dürftest du Soforthilfe beantragen dürfen.

Wie sollte der Corona-bedingte Liquiditätsengpass begründet werden?

Hier empfehle ich sowohl die Umsatz- als auch die Ausgabenseite darzustellen. Du solltest also grob deine (erwarteten) Umsatzeinbußen in Folge der Corona-Pandemie und deine laufenden Ausgaben (Verpflichtungen) beziffern. Insgesamt sollte der daraus resultierende Liquiditätsengpass (über einen Zeitraum von mehreren Monaten) höher als die beantragte Soforthilfe sein (Obergrenze für die Höhe der Förderung, ist der Betrag, des durch die Corona-Krise verursachten Liquiditätsengpasses).

Die Regierung von Unterfranken hat dazu folgendes mitgeteilt:


Der Liquiditätsengpass wird wie folgt errechnet:

Anstehende Kosten

– abzüglich noch vorhandene flüssige Mittel (Kasse, Bank, Kontokorrent)

– abzüglich noch zu erwartender Einnahmen

– abzüglich etwaig andere staatliche Zuwendungen (Bund, Agentur für Arbeit, etc.)

Wir gehen derzeit davon aus, dass der Betrachtungszeitraum 2 Monate betragen dürfte

Im Folgenden habe ich einmal eine beispielhafte Begründung Liquiditätsengpass bei einem Fotografen auf Auftragsbasis dargestellt. Auch bei einem Betrachtungszeitraum von 2 Monaten wäre der Liquiditätsengpass mit 6.000 € größer als die Förderung mit 5.000 €:

„Es ist zu erwarten, dass das Auftragsgeschäft für die nächsten Monate nahezu komplett einbricht. Für März wird aufgrund der Corona-Pandemie mit einem Umsatzrückgang von 80% auf ca. 2.000 € gerechnet. Dem stehen laufende Verpflichtungen und offene Rechnungen von ca. 5.000 € gegenüber. Der monatliche Liquiditätsengpass beträgt demnach ca. 3.000 €, über einen Zeitraum von mind. 3 Monaten 9.000 €. Da die Gründung noch keine 2 Jahre her ist, ist kein verfügbares liquides Privatvermögen vorhanden.“

Im nächsten Schritt musst du den Liquiditätsengpass unbedingt mit einer konkreten Zahl beziffern, wie hier z.B. mit 9.000 €:

 In Nr. 6 des Antrags ist die Höhe des Liquiditätsengpasses konkret zu beziffern. Anträge mit Angaben wie z. B. „noch nicht absehbar“ können nicht bearbeitet und somit nicht berücksichtigt werden.

Was sind die Besonderheiten bei den „sonstige Erklärungen“?

Anschließend sind noch einige „sonstige Erklärungen“ abzugeben. Diese sind unbedingt wahrheitsgemäß abgegeben werden. Ich denke, die meisten Fragen sind gut verständlich, auf zwei Punkte möchte ich kurz eingehen:

  • Unternehmen in Schwierigkeiten gemäß Rz. 20 a) bis c) der Leitlinien für staatliche Beihilfen zur Rettung und Umstrukturierung nichtfinanzieller Unternehmen in Schwierigkeiten (204/C 249/01), (siehe Nr. 1.1):
    Wichtigstes Kriterium dürfte hier sein, dass sich das Unternehmen nicht bereits im Insolvenzverfahren befindet oder insolvenzreif ist, also insbesondere nicht bereits zahlungsunfähig oder überschuldet ist. Die exakten Kriterien findest du hier und solltest du vorab je nach deiner Rechtsform prüfen:             
    https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52014XC0731(01)&from=DE
  • de-minimis-Rahmen: Dabei geht es um Beihilfe, die dein Unternehmen insgesamt von einem EU-Mitgliedstaat (Deutschland) erhalten hat. Diese dürfen 200.000 € (für Unternehmen des Straßentransportsektors 100.000 €) innerhalb der letzten drei Steuerjahre nicht überschreiten. Das sollte also im Regelfall für dich irrelevant sein.
    Mehr dazu hier: https://www.ffg.at/recht-finanzen/rechtliches_service_de-minimis-beihilfen

Für eine rechtssichere Beurteilung gerade dieser letzten Fragen, wäre die einzige Lösung einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen. Das ist aber gerade für dich als Antragssteller mit Liquiditätsengpass und vor dem Hintergrund einer schnellen Antragserstellung sicherlich nicht der effizienteste Weg. Daher hoffe ich, dass bei kleinen Ungenauigkeiten in der Antragsstellung der Gesetzgeber diese eigentlich positive Maßnahme nicht in ein Bürokratiemonster umwandelt bzw. sogar rechtliche Schritte gegen Antragssteller einleitet. Zumindest solange du nicht vorsätzlich betrügerisch handelst und die Soforthilfe wirtschaftlich wirklich benötigst.

Was passiert, wenn ich noch andere Hilfen erhalte (z.B. dem Infektionsschutzgesetz)

Mögliche Entschädigungsleistungen nach dem Infektionsschutzgesetz sowie zustehende Versicherungsleistungen aus Absicherung von Betriebsunterbrechungen oder Betriebsausfall werden auf den vorgesehenen Zuschuss angerechnet.

Da das aktuell teilweise aber noch nicht abzuschätzen ist, solltest du den Antrag auf Soforthilfe unter den oben genannten Voraussetzungen in jedem Fall stellen.

Muss ich die Soforthilfe wieder zurückzahlen oder versteuern?

Nein, die Soforthilfe in Bayern muss nicht zurückgezahlt werden. Beachte aber bitte die Hinweise in bei Missbrauch. Versteuern musst du diese „Einnahme“ auch nicht. Nach Auskunft des Ministeriums ist diese als steuerfreie Einnahme zu werten.

Wie reiche ich den Antrag ein?

Den Antrag musst du ausdrucken und per Post oder als Scan oder Foto (jpeg-Datei) per E-Mail an die Stadt München bzw. deinen Regierungsbezirk senden.

Das Antragsformular und die zuständige Bewilligungs- und Vollzugsbehörde für Bayern findest du hier:

https://www.stmwi.bayern.de/soforthilfe-corona/

Leider ist der Antrag an einigen Stellen relativ unscharf formuliert. Ein Rechtsanspruch auf die Gewährung der Soforthilfe besteht nicht. Und wie mit Formulieren wie „Liquiditätsengpass“ und „Mittel, die für den Lebensunterhalt benötigt werden“ umgegangen wird, kann nicht vorhergesehen werden. Insgesamt bleibt hier zu hoffen, dass eine Ablehnung oder weitere staatliche Maßnahmen gegen den Missbrauch der Soforthilfe nur bei eindeutigen Fällen erfolgt.

Vorsicht: Nutze diese Maßnahmen bitte nur, wenn es wirtschaftlich notwendig ist

Du solltest die staatlichen Maßnahmen nicht missbrauchen und nur nutzen, wenn du diese wirtschaftlich benötigst, um die Krise gut zu überstehen. Sämtliche Anträge sollen schnellst möglich von den Behörden bearbeitet werden. Das erlaubt keine detaillierte Prüfung. Es ist aber damit zu rechnen, dass zumindest stichprobenartige Prüfungen im Nachgang erfolgen, um Missbrauch aufzudecken und entsprechend zu verfolgen.

Was kann bei Missbrauch der Steuer-Stundungen passieren?

Im oben verlinkten BMF-Schreiben hat das Bundesfinanzministerium explizit dargestellt, dass die Stundung nur für „nachweislich unmittelbar und nicht unerheblich betroffenen Steuerpflichtige“ vorgesehen ist. Das lässt die Möglichkeit offen, gewährte Stundungen zu widerrufen. Außerdem wurde formuliert: „Auf die Erhebung von Stundungszinsen kann in der Regel verzichtet werden.“ Aus dem „kann“ muss abgeleitet werden, das durchaus Stundungszinsen nach § 234 AO in Höhe von 0,5 % pro vollen Monat festgesetzt werden können.

Auch könnte das Finanzamt Vollstreckungsmaßnahmen einleiten, wenn bekannt wird, dass der Vollstreckungsschuldner nicht unmittelbar und erheblich durch die Krise betroffen war.

Was kann bei Missbrauch der Beantragung der Soforthilfe passieren?

Bei Missbrauch ist die Soforthilfe zurückzuzahlen.

Außerdem wird bereits bei Antragstellung darauf hingewiesen, „dass eine Beantragung, ohne diese Voraussetzung zu erfüllen, Betrug ist. Der Betrugstatbestand (Subventionsbetrug § 264 StGB) sieht eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren vor. Es wird um Verständnis gebeten, dass jeder Fall, der bekannt wird, angezeigt wird und die Soforthilfe zurückzuzahlen ist.“

Weiterhin ist über die Angaben im Antrag eine eidesstaatliche Versicherung abzugeben. Sollten diese also nicht wahrheitsgemäß erfolgt sein, kann das rechtliche Folgen für den Antragssteller haben (Falsche Versicherung an Eides Statt § 264 StGB).

Bessere Zahlungsweisen mit Kunden vereinbaren - Vorschüsse, Ratenzahlung und Co

Wenn es für dich in der jetzigen Situation besonders wichtig ist, deine Liquidität zu verbessern, kann eine Prüfung deiner Buchhaltung, insbesondere der offenen Kundenrechnungen (Debitoren-OPOS-Liste) Sinn machen. Viele Unternehmer lassen ihre Abrechnungsdisziplin in guten Zeiten „schleifen“. Das sollte zwar möglichst nicht vorkommen, kann dir aber jetzt helfen. Außerdem kannst du durch Umstellung in deinem Abrechnungsprozess ggf. auch eine Verbesserung der Liquidität erreichen. Folgende Maßnahmen berate ich oft in der Praxis:

  • Abrechnung offener Leistungen: Du kannst deine Buchhaltung bzw. Zeiterfassung etc. auf nicht abgerechnete Leistungen prüfen und diese jetzt abrechnen. Du kannst Teilleistungen oder den bisher erbrachten Aufwand abrechnen und musst nicht auf eine große Schlussrechnung warten.
  • Vereinbarung von Vorschüssen: Du kannst vermehrt Vorschüsse abrechnen (zumindest, wenn ein Teil der Leistung bereits erbracht ist). Vor allem bei längeren Kunden mit gutem Vertrauensverhältnis ist das oft möglich. Ich empfehle immer nicht zu 100% in Vorleistung zu gehen, sondern immer einen Teil vorab / zwischendurch abzurechnen.
  • Keine Preissenkungen: Nur weil wir derzeit in einer Krise sind, ist deine Leistung nicht weniger wert und du solltest deine Preise nicht senken. Konzentriere deine Energie lieber auf die profitablen Kunden und gleichberechtigte Geschäftsbeziehungen. Das gilt sowieso auch ohne Krise. In Ausnahmefällen mag eine vorübergehende Preissenkung Sinn machen (z.B. langfristige Kunden, bei denen du direkt eine Erhöhung nach der Krise vereinbarst)
  • Keine Stundungen gewähren: Gewähre keine Stundungen, sonst bist du direkt der nächste Unternehmer mit Zahlungsschwierigkeiten. In Einzelfällen kann aber eine Ratenvereinbarung Sinn machen, am besten mit der Gewährung entsprechender Sicherheiten

Neue Einkommensquellen erschließen

Als weiteren Tipp könntest du dir Gedanken machen, wie du aus deinem derzeitigen und durch die Corona-Krise getroffenen Geschäftsmodell neue Einkommensquellen erschließen kannst. Aufbauend auf deinem geballten Know-How und deiner bestehenden Infrastruktur kannst du kreative Lösungen suchen, um dein Wissen und Können auf anderem Weg als bisher zu verkaufen. Gerade in den Branchen, die mit hohen Umsatzeinbußen konfrontiert sind, gibt es oft alternative Wege, diese zumindest teilweise auszugleichen. Das kann z.B. die vorübergehende Umstellung auf einen Lieferdienst als Gastronom sein.

Auch hier kannst du dir Unterstützung holen, z.B. bei deinem Steuerberater. Dieser kennt dein Unternehmen und deine Zahlen schon gut. Auf dieser Basis lässt sich oft mit nur wenig Zeiteinsatz eine neue Strategie entwickeln und evaluieren. Vielleicht hat dein Steuerberater auch schon mit anderen Mandanten aus deiner Branche bzw. mit ähnlichen Herausforderungen einen Ausweg gefunden.

Fazit: Du solltest schnell handeln, um eine ausreichende Liquidität sicherzustellen

Du solltest dir dein Unternehmen, deine Kennzahlen und deine Liquidität jetzt genau anschauen und immer im Blick behalten. Sollte es wirtschaftlich notwendig sein, solltest du im ersten Schritt auf die Steuer-Stundung zurückgreifen. Wenn dann weiterhin die Voraussetzungen für Soforthilfe vorliegen, solltest du auch diese beantragen.

In erster Linie macht es aber immer mehr Sinn, sich auf sein Unternehmen, seine Stärken und die sich bietenden Chancen zu fokussieren. Dann stehst du die Krise hoffentlich ohne staatliche Maßnahmen umso gestärkter durch!

Hol dir hier unsere Vorlage zur Steuer-Stundung und bleibe zu allen Updates auf dem Laufenden

Hier kannst du dir deine Vorlage herunterladen und wir halten dich mit Updates zu neuen Entwicklungen und Maßnahmen auf dem Laufenden. Insbesondere werden wir wieder das Soforthilfeprogramm des Bundes mit einer step-by-step Ausfüllanleitung vorstellen, sobald es verfügbar ist. Dabei werden wir auch auf die Problematik der Verrechnung der Soforthilfen eingehen.

Du brauchst einen Steuerberater, der dich durch den Antragsdschungel für die Steuer-Stundung führt, dich bei der Bewertung deiner Kennzahlen coacht oder mit dem du alternative Ansätze brainstormen kannst?

 

Dann kannst du dich gerne bei uns melden und wir versuchen dir schnellstmöglich zu helfen. Bitte habe Verständnis, dass wir in der derzeitigen Situation 2-3 Tage für eine Antwort benötigen.

Schreibe uns gerne über unser Kontaktformular oder an einfach@easydigitax.de

Kategorien
Allgemein

Steuern sparen beim Auswandern: Beispielrechnung für Unternehmer

Auswandern und weniger Steuern zahlen - aber wie?

Jedes Jahr wandern laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) ca. 180.000 Deutsche aus. Die Digitalisierung macht es einfacher denn je: immer mehr Unternehmer, Selbständige und Freelancer können ortsunabhängig und ohne feste Bindung an Deutschland arbeiten. Viele davon verdienen ihr Geld z.B. als IT-Freelancer, Virtuelle Assistenten, Coach, Dienstleister, mit Amazon FBA oder Dropshipping. Sie alle können ihr Unternehmen von jedem beliebigen Ort der Welt führen.

Bist auch du als Unternehmer nicht mehr an Deutschland gebunden, hältst dich überwiegend im Ausland auf oder könntest das leicht umsetzen? Dann stellst du dir sicher die Frage, wie du als Auswanderer und Unternehmer am meisten Steuern sparen kannst.

Die Lösung ist meist eine Unternehmensgründung im Ausland. Anhand meiner Praxiserfahrung als Steuerberater beantworte ich dir nachfolgend die wichtigsten Fragen zum Thema und zeige dir anhand einer Beispielrechnung, wie viel Steuern du mit einem Unternehmen im Ausland sparen kannst.

Ausländisches Unternehmen & deutsche Kunden - geht das?

Der Hauptgrund, warum ein deutsches Unternehmen (in der Regel als deutsche GmbH) behalten wird, ist die Reputation gegenüber den Kunden. Daher legen viele Unternehmer Wert darauf, mit einer anerkannten deutschen GmbH aufzutreten. Meist sind die Bedenken gegen eine Gründung im Ausland jedoch unnötig. Wer seine Kunden über das zukünftige Auslandsunternehmen aufklärt und informiert, kann auf weiteres Vertrauen bauen.

Bei einer Gründung innerhalb der EU kann außerdem sichergestellt werden, dass die Rechnungen an deutsche Kunden anerkannt sind. Aber auch bei Unternehmen im Drittland ist die Anerkennung von Rechnungen in Deutschland kein Problem, sofern es sich nicht um eine bloße Briefkastenfirma handelt und du ein paar Besonderheiten beachtest:

Du solltest deinen Kunden einen Bestandsnachweis (eine steuerliche Ansässigkeitsbescheinigung) für dein Unternehmen im Drittland zur Verfügung stellen können. Außerdem sollte die Leistungserbringung dokumentiert werden und dem Finanzamt im Zweifel Nachweise dazu vorgelegt werden können.

Wenn du dein Unternehmen in Deutschland trotzdem behalten willst, gibt es dennoch eine Möglichkeit, weniger Steuern zu zahlen: In Kombination mit einem ausländischen Unternehmen bzw. einer ausländischen Holding-Struktur lassen sich ebenfalls Steuern einsparen. Das Ganze ist zwar etwas aufwendiger und das Steuerersparnis geringer, kann aber gut mit einer deutschen GmbH kombiniert werden. 

Wohnsitz im Ausland & Unternehmen in Deutschland - besser vermeiden?

Wenn du dein deutsches Unternehmen weiterführen willst und als Auswanderer einen Wohnsitz im Ausland begründest, stehst du vor einer neuen Herausforderung: du musst nicht nur die Steuergesetze in Deutschland, sondern auch im neuen Wohnsitzland beachten. Sonst kann es zu einer ungewollten Besteuerung deines deutschen Unternehmens im Zuzug-Land kommen.

Das kann z. B. über eine Betriebsstätte im neuen Land ausgelöst werden, etwa wenn du dein deutsches Unternehmen von deinem neuen Wohnsitz aus leitest oder ein Büro einrichtest. In diesem Fall wäre dein deutsches Unternehmen dort zumindest anteilig zu besteuern. Eine derartige Gewinnaufteilung über Betriebsstätten solltest du tunlichst vermeiden, da das administrativ sehr aufwendig ist.

Außerdem gilt in vielen Ländern die Hinzurechnungsbesteuerung (im Englisch unter „CFC-Rules“ oder „controlled foreign company“ bekannt). Darunter versteht man die Besteuerung deines deutschen Unternehmens bei dir als Gesellschafter an deinem neuen Wohnsitz. Auch das solltest du unbedingt vermeiden. 

Um deine Steuerpflicht in Deutschland zu beenden darfst du also weder einen Wohnsitz noch deinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Ansonsten musst du wie bisher eine Steuererklärung abgeben und auch deine ausländischen Einkünfte angeben, die zumindest dem Progressionsvorbehalt unterliegen. Bei ungünstigen Konstellationen müssen ausländische Einkünfte dann sogar in Deutschland versteuert werden.  

Das willst du natürlich vermeiden. Bei deiner Auswanderung solltest du unbedingt sicherstellen, dass du deinen Wohnsitz, deinen gewöhnlichen Aufenthalt und deinen Lebensmittelpunkt nicht mehr in Deutschland hast und deine Steuerpflicht rechtssicher beendest. Deine Tätigkeit im Ausland nimmst du bestenfalls erst danach auf. 

Wann macht es finanziell Sinn, ein Unternehmen im Ausland zu gründen?

Eine Gründung im Ausland ist mit Gründungskosten, Beratungsaufwand, weiterhin laufenden Kosten und Steuern (wenn auch weniger) für das Auslandsunternehmen verbunden. Ob die Auslandsgründung Sinn macht, ist daher vor allem eine Frage der richtigen Kalkulation. Als Steuerberater kann ich aus praktischer Erfahrung sagen: eine Unternehmensgründung im Ausland lohnt sich ab einem (erwarteten) Jahresgewinn in Höhe von ca. 40.000 Euro. Andererseits kann es auch sinnvoll sein, gleich zu Beginn deiner Tätigkeit auszuwandern, da du dadurch viel Ärger mit dem Finanzamt bei deiner Auswanderung vermeiden kannst.

Wie viele Steuern du konkret durch die Gründung eines Unternehmens im Ausland sparen kannst, hängt zudem primär von der Wahl des Landes ab. Wenn du hier relativ flexibel bist und die richtige Wahl triffst, profitierst du langfristig von sehr niedrigen Kosten für dein Unternehmen.

Mehr oder weniger Bürokratie durch den Firmensitz im Ausland?

Nur wenige Länder haben ein derart komplexes (Steuer-) System wie Deutschland. Gerade hinsichtlich der Buchhaltung und Auseinandersetzungen mit dem Finanzamt kannst du dir das Leben durch das Auswandern und einem Unternehmen im Ausland deutlich leichter machen. Eine niedrigere Besteuerung führt auch zu weniger Kosten.

Praxisbeispiel:

Du möchtest einen Beleg in Höhe von 50 € als Betriebsausgabe einreichen. Bei einem Grenzsteuersatz von 44 % zahlst du in Deutschland dadurch 22 € weniger Steuern. Bei einem Vergleichssteuersatz von 12,5 % wären das im Ausland nur 6,25 € weniger Steuern. Bei einem derart niedrigen Steuersatz ist es der Buchungsaufwand und deine Zeit oft nicht wert, jeden Kleinbeleg einzureichen.

Ein geringerer bürokratischer Aufwand ist ein sehr angenehmer Nebeneffekt, sollte aber nicht im Fokus stehen. Viel interessanter sind das Steuersparpotential und die Frage, wie viel weniger Steuern du tatsächlich zahlen musst. Schauen wir uns daher anhand von zwei einfachen Beispielen konkrete Zahlen an.

Ausgangssituation: deutsches Einzelunternehmen, GmbH oder UG?

Als Einzelunternehmer liegt der Grenzsteuersatz zwischen 44,31% und 48,16%, (inklusive Solidaritätszuschlag), je nachdem ob du Gewerbesteuer zahlen musst. Die Kirchensteuer käme noch zusätzlich hinzu. Das heißt also, von 100 € Gewinn musst du bis zu 48,16 € an den deutschen Fiskus abgeben. Und das Ganze ohne Sozialabgaben, wie z. B. der drohenden Rentenversicherungspflicht für Selbständige. Bei GmbHs und UGs ist die Steuerbelastung sogar geringfügig höher.

In unseren Beispielen bist du als Steuerpflichtige(r) ledig, der Solidaritätszuschlag wird berücksichtigt, Gewerbesteuer und Kirchensteuer werden aber ausgeblendet. Die Gewerbesteuer würde, abhängig vom Überschreiten des Gewerbesteuer-Freibetrags und des jeweiligen Hebesatzes, zu einer Steuermehrbelastung von bis zu 4% führen. 

Möchtest du mehr über das Thema Auswanderung erfahren?

Wir haben für dich einen ultimativen Fahrplan zu deiner rechtssicheren Auswanderung erstellst. Darin lernst du in 7 einfachen Schritten, wie du deine Auswanderung steuerlich rechtssicher umsetzt und nachhaltig Steuern sparst! Diesen Fahrplan erhältst du HIER kostenlos. Darin erfährst du wann eine Auswanderung finanziell wirklich Sinn macht, wie viele Steuern du sparen kannst, wann der beste Zeitpunkt für deine Auswanderung ist und vieles mehr! 

easydigitax auswanderer fahrplan

Beispiel 1: Steuerersparnis bei einem (erwarteten) Gewinn von ca. 40.000 €

Mit diesem Gewinn liegt dein Grenzsteuersatz bereits bei ca. 37 %. Dein Durchschnittssteuersatz liegt bei ca. 22 %. Damit zahlst du jedes Jahr ca. 8.900 € Steuern in Deutschland. 

Das Ganze vergleichen wir nun mit steuerlich günstigen Einwanderungsländern. Hier die attraktivsten Optionen:

  • Zypern: Vergleichssteuersatz 12,5%

Exkurs:
Grober Überblick der Besteuerung einer Zypern Limited
Zypern ist eine der populärsten Optionen für eine Auswanderung. Denn die Körperschaftssteuer in Zypern beträgt nur 12,5%. Es gibt keine nachgelagerte Besteuerung der Gewinnausschüttung, also sind Dividenden steuerfrei. Bei Dividenden muss zwar eine Gesundheitsabgabe von zusätzlich 2,65% abgeführt werden. Dafür ist man aber im Gesundheitssystem versichert, d. h. der Abgabe steht eine tatsächliche Leistung gegenüber. Außerdem muss man sich ein Gehalt auszahlen, dieses ist aber bis 19.500 € steuerfrei. Auch hier sind Sozialabgaben zu leisten, diese haben aber ebenso eine Gegenleistung aus dem Gesundheit- und Rentensystem. Du kannst als Privatperson in Zypern also steuerfrei leben und musst nur auf Ebene deiner Zypern Limited 12,5% Steuern zahlen, deutlich weniger als in Deutschland. Für den Steuervergleich mit der Zypern Limited setzen wir in unseren Beispielen daher einen Vergleichssteuersatz von 12,5% an.

  • Bulgarien: Einkommens- und Körperschaftssteuer 10% Flat tax
  • Portugal: Bei Qualifikation als NHR (Non Habitual Residence) in der Regel 20% Flat tax
  • Drittländer: Vergleichssteuersatz 0% 
    Sofern man ein Unternehmen außerhalb der EU gründet und das mit einem Wohnsitz in einem geeigneten Staat kombiniert, kann man in Einzelfällen komplett steuerfrei leben. Dabei gibt es aber einige Fallstricke zu beachten, die ich einem meiner nächsten Artikel ausführlich zusammenfasse werden. 

Bei einem Vergleichssteuersatz von 12,5% zahlst du bei einem Gewinn von 40.000 € nur 5.000 € Steuern. Im Vergleich zur deutschen Steuerbelastung von 8.900 € zahlst du somit 3.900 € weniger Steuern pro Jahr. Teilweise kann je nach Konstellation und Gewinn bzw. Umsatz bei einem komplett steuerfreien Setup eine Steuerersparnis von bis zu 8.900€ erzielt werden.

Die folgende Übersicht stellt die mögliche Steuerersparnis gegenüber:

steuern sparen beim auswandern übersicht tabelle

Beispiel 2: Steuerersparnis bei einem (erwarteten) Gewinn von ca. 80.000 €

Da in Deutschland deine Gewinne einem progressiven Steuersatz unterliegen, steigt die Steuerbelastung signifikant mit steigenden Gewinnen. Die folgende Übersicht stellt das beeindruckend dar:

steuern sparen auswandern übersicht tabelle 2

Bei einem Gewinn von 40.000 € kannst du also bereits knapp 3.900 € Steuern sparen, wenn du nach Zypern auswanderst. Im Regelfall hast du dadurch bereits nach einem Jahr die Kosten refinanziert, die für die Auswanderung, Beratung zu deiner Auswanderung nach deutschem Recht und zu deiner Gründung im Ausland anfallen. Sollte dein Gewinn deutlich darüber liegen bzw. zukünftig weiter steigen, vervielfacht sich dieser Effekt.

Bei einem Gewinn von 30.000€ würde die Steuerersparnis bei einer Auswanderung nach Zypern immerhin noch bei ca. 1.750€ liegen.

Fazit: ab wann lohnt sich die Auswanderung mit Unternehmen?

Als Steuerberater halte ich eine Auswanderung spätestens ab einem Gewinn von 40.000 € für sinnvoll. Allerdings hängt dabei viel von deiner persönlichen Situation ab. Es spielt eine Rolle, ob du verheiratet bist und was dein Ehepartner verdient, ob du Kinder hast, welche Einkünfte du zusätzlich zu deinem Unternehmen erzielst, welche Rechtsform du in Deutschland bisher hast, wohin du auswandern willst, wie dort deine persönliche Besteuerung ist und vor allem, wie hoch dein (erwarteter) Gewinn ist. Anhand der obigen Beispiele solltest du das aber gut für deine Situation ermitteln können.

Neben den steuerlichen Vorteilen solltest du auch immer die weiteren Vorteile, wie weniger Bürokratie, bessere Lebensumstände, einfacherer Unternehmensaufbau usw. im Blick haben. 

Wie lange muss deine Auswanderung mindestens dauern, damit du keine Probleme mit dem Finanzamt bekommst und du damit wirklich Geld sparst? Was musst du bei der Dauer deiner Auswanderung aus Deutschland steuerlich unbedingt beachten? Die Antworten auf diese Fragen findest du in meinem Artikel „Wie lange musst du du auswandern, um wirklich Steuern zu sparen“

Kommt eine Auswanderung für dich in Frage?
easydigitax auswanderer fahrplan

Wir haben für dich einen ultimativen Fahrplan zu deiner rechtssicheren Auswanderung erstellst. Darin lernst du in 7 einfachen Schritten, wie du deine Auswanderung steuerlich rechtssicher umsetzt und nachhaltig Steuern sparst!

Du bekommst den mehr als 20-seitigen Fahrplan als PDF kostenlos und sofort per E-Mail zugeschickt! Das Einzige, was wir uns als Gegenleistung für unsere Mühe wünschen, ist deine E-Mail-Adresse, um dir ab und zu neue Blogartikel und Updates zu senden – natürlich kannst du dich aber auch wieder abmelden! 

Kategorien
Allgemein

Auswanderung und Wohnsitz: Die 3 häufigsten Fehler bei Beendigung deiner Steuerpflicht in Deutschland

Der Traum vom Leben und Arbeiten im Ausland ist so beliebt wie nie zuvor.

Immer mehr digitale Unternehmer sehen ihre Chance in der Digitalisierung und damit die Möglichkeit, ihren eigenen Arbeitsplatz in internationale Gefilde zu verlegen. Dabei sollten die steuerlichen Verpflichtungen stets besonders gründlich bedacht werden. Gerade hinsichtlich des Wohnsitzes, des gewöhnlichen Aufenthalts und des Lebensmittelpunktes werden häufig Kleinigkeiten übersehen, die rückwirkend zu einer unbeschränkten Steuerpflicht und Besteuerung des Welteinkommens in Deutschland führen.

Exkurs: Eine kurze Erklärung für Nicht-Steuerexperten:

Unbeschränkt steuerpflichtig bist du, wenn du in Deutschland einen Wohnsitz hast oder dich hier gewöhnlich aufhältst.
Einen Wohnsitz hast du, wenn du über eine Wohnung oder auch nur ein Zimmer verfügen kannst.
Einen gewöhnlichen Aufenthalt hast du, wenn du länger als 183 Tage im Jahr in Deutschland bist.
Beschränkt steuerpflichtig bist du, wenn du in Deutschland zwar Einkünfte erzielst, aber weder einen Wohnsitz noch deinen gewöhnlichen Aufenthalt hast.
Erweitert beschränkt steuerpflichtig bist du, wenn du als deutscher Auswanderer in ein Niedrigsteuerland ziehst und damit werden weitere Einkünfte beschränkt steuerpflichtig in Deutschland.

Mit den richtigen Strategien kannst du durch einen Wegzug nicht nur Steuern Sparen, sondern du hast auch ein beruhigtes Gewissen, in diesem komplexen Thema alles richtig gemacht zu haben und kannst dich auf dein Business und dein neues Leben konzentrieren. Erfahre hier, welche drei häufigsten Fehler du vermeiden kannst und wie du (mit der Auswanderung) Steuern Sparen kannst. 

Die drei häufigsten Fehler und wie du sie vermeidest:

easydigitax die drei häufigsten fehler bei beendigung der steuerpflicht

1. Wohnsitz: Du behältst die Verfügungsgewalt über deine Wohnung in Deutschland

Die Steuerpflicht wird in den meisten Staaten in erster Linie über den Wohnsitz bestimmt. Dort, wo du wohnst, musst du Steuern zahlen. Wenn du eine deutsche Wohnung hast, kannst du sie natürlich behalten und weitervermieten – zum Verkauf oder zur Kündigung des Mietvertrags bist du nicht verpflichtet. Nicht selten besteht bei Auswanderern jedoch der Fall, dass sie sowohl im Aus- als auch im Inland eine Wohnung unterhalten oder ein Zimmer zur Verfügung steht. Die deutschen Finanzbehörden schauen in diesem Fall genau hin, um zu prüfen, wo dein Wohnsitz liegt und du verpflichtet bist Steuern zu zahlen.

Entscheidend ist also deine Verfügungsgewalt. Du solltest keinen Wohnungsschlüssel mehr haben, denn dies kann ein Anzeichen sein, dass der Wohnsitz in Deutschland bestehen bleibt. Es sollte auch kein Zimmer bei Familie oder Freunden geben, dass du stets nutzen kannst. Letztlich ist entscheidend, dass Deutschlandbesuche egal ob im Hotel oder bei Familie oder Freunden immer Hotelcharakter haben, d.h. du solltest nur für die Zeit des Aufenthaltes einen Schlüssel haben und alle persönlichen Sachen mitbringen und wieder mitnehmen.

Die Abmeldung des Wohnsitzes beim Einwohnermeldeamt hingegen ist für die steuerliche Definition des Wohnsitzes nicht notwendig. Das entfaltet laut Tz. 1.2 zu § 8 im Anwendungserlass zur Abgabenordnung (AEAO) lediglich eine sogenannte Indizwirkung und wäre entsprechend „nur“ zu empfehlen.

2. Gewöhnlicher Aufenthalt: Längerer Aufenthalt für mehr als zwei Monate in Deutschland

Der zweite Faktor, der am häufigsten zur weiteren Besteuerung in Deutschland führt, ist die Beibehaltung des gewöhnlichen Aufenthalts in Deutschland. Grundsätzlich gilt hier die 6 Monats (183 Tage) Regelung als feste Kriterium, dass unbedingt unterschritten bleiben muss. Die gesetzliche Definition ist hier jedoch nicht trennscharf, sondern definiert lediglich einen „nicht nur vorübergehenden“ Aufenthalt. Daher hat sich in der Beratungspraxis bewährt, lediglich Besuche von einer Dauer von maximal 2 Monaten am Stück in Deutschland zu empfehlen. Dazwischen solltest du dich immer mindestens 3 Wochen im Ausland aufhalten und es sollte klar erkennbar sein, dass du dort keinen kurzfristigen Urlaub verbringst oder lediglich eine Geschäftsreise unternimmst.

Letztlich ist gerade dieses Kriterium ein gefährlicher Faktor, der nicht immer eindeutig beurteilt werden kann. Um zu vermeiden, dass die steuerliche Einordnung im Zweifelsfall auf dem Gerichtsweg erkämpft werden muss, sollte die 2 Monats-Empfehlung eingehalten werden.

Jedoch gibt es hier auch Ausnahmeregelungen, z.B. für Krankenbehandlungs-, Kur- oder Erholungszwecken, wo du sogar länger als 183 Tage in Deutschland verweilen darfst. 

3. Lebensmittelpunkt: Deine Familie in Deutschland

Bist du verheiratet und dein Ehepartner bleibt in Deutschland, kann die Steuerpflicht in Deutschland weiterhin bestehen, wenn der Lebensmittelpunkt durch die Familienwohnung angenommen wird. Entscheidend für einen möglichen Lebensmittelpunkt sind Ehepartner und minderjährige Kinder. Eltern, Geschwister oder Verwandte in Deutschland haben keinen Einfluss auf deinen Lebensmittelpunkt. Um einen Lebensmittelpunkt in Deutschland zu vermeiden, solltest du also mit deiner Familie gemeinsam auswandern. Selbst wenn ihr vorübergehend getrennt lebt, ist dies kein Argument bei der Steuerpflicht.

Kommt eine Auswanderung für dich in Frage?

Wir haben für dich einen ultimativen Fahrplan zu deiner rechtssicheren Auswanderung erstellst. Darin lernst du in 7 einfachen Schritten, wie du deine Auswanderung steuerlich rechtssicher umsetzt und nachhaltig Steuern sparst!

Du bekommst den mehr als 20-seitigen Fahrplan als PDF kostenlos und sofort per E-Mail zugeschickt! Das Einzige, was wir uns als Gegenleistung für unsere Mühe wünschen, ist deine E-Mail-Adresse, um dir ab und zu neue Blogartikel und Updates zu senden – natürlich kannst du dich aber auch wieder abmelden! 

easydigitax auswanderer fahrplan