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Wie lange musst du auswandern, um wirklich Steuern zu sparen?

Weniger Steuern zahlen im Ausland: auf die Dauer kommt es an

Viele Unternehmer träumen von einer Auswanderung in ein (Steuer-)Paradies. Als Steuerberater mit Schwerpunkt im internationalen Steuerrecht habe ich schon viele Unternehmer bei diesem Schritt begleitet. Beim Vergleich der aktuellen Steuerlast in Deutschland mit der Steuerersparnis im Ausland macht die Firmengründung im Ausland auf den ersten Blick immer Sinn.

Doch die Rechnung geht nur auf, wenn das Leben im Ausland auch einen gewissen Bestand hat. Die Dauer deiner Auswanderung spielt aus zwei Gründen eine entscheidende Rolle:

  1. Du musst lange genug abwesend sein, damit deine Steuerpflicht in Deutschland rechtssicher beendet wird
  2. Wer nur vorübergehend auswandern will, muss gut kalkulieren. Neben den Gründungskosten für ein Unternehmen fallen später auch Beendigungskosten im Ausland an. Je länger du auswanderst, desto weniger fallen die Kosten gegenüber deiner Steuerersparnis ins Gewicht

Ab welcher Dauer deine Auswanderung Sinn macht, erfährst du in diesem Beitrag

Auswandern: wirklich dauerhaft oder nur vorübergehend?

Wenn du auswandern und im Ausland Steuern sparen möchtest, solltest du dir Gedanken darüber machen, ob du tatsächlich dauerhaft im Ausland leben willst oder eher in ein paar Jahren wieder nach Deutschland zurückkehrst.

Eine Rückkehr nach Deutschland kann vielfältige Gründe haben, z.B. eine Partnerschaft oder Kinder, familiäre Umstände, eine Krankheit oder der Aufbau eines Unternehmens, das eine Anwesenheit in Deutschland erfordert.

Deine Entscheidung erfordert also viele Überlegungen, die sowohl dein berufliches als auch dein privates Leben betreffen. Vorab solltest du dir aber im Klaren darüber sein, wann du aus steuerrechtlicher Sicht „im Ausland lebst“ und wann du „zurückgekehrt“ bist. Denn erst dann steht die Planung deiner (steuerlichen) Auswanderung auf einem zweckmäßigen Fundament.

Dafür erkläre ich dir zunächst die 4 wichtigsten Faktoren zur Beendigung deiner unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland und gebe dir anschließend eine Empfehlung aus meiner langjährigen Praxis als Steuerberater.

Die 4 wichtigsten Faktoren für Auswanderer zur Steuerpflicht in Deutschland

easydigitax dauer der auswanderung

#1: Dein gewöhnlicher Aufenthalt entscheidet über deine Steuerpflicht

Exkurs: Wann bist du unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland?

Die unbeschränkte Steuerpflicht nach § 1 (1) (= Absatz 1) Einkommensteuergesetz (EStG) knüpft entweder an den Wohnsitz nach § 8 Abgabenordnung (AO) oder den gewöhnlichen Aufenthalt nach § 9 AO an.

Der Wohnsitz setzt eine Wohnung in Deutschland voraus, über die du jederzeit verfügen kannst. Damit lässt sich meist relativ eindeutig bestimmen, ob du noch einen Wohnsitz in Deutschland hast und wie du den Wohnsitz beenden kannst.

Die Definition des gewöhnlichen Aufenthaltes ist dagegen viel schwammiger. Wenn du dich weniger als 183 Tage im Jahr in Deutschland aufhältst, ist das ein Indiz dafür, dass du hier keinen gewöhnlichen Aufenthalt hast. Ein abschließender Beweis ist es jedoch nicht. Auch bei einer kürzeren Aufenthaltszeit in Deutschland kann ein gewöhnlicher Aufenthalt angenommen werden, wenn du dich „nicht nur vorübergehend“ in Deutschland aufhältst. Bedeutend ist dabei diese gesetzliche Definition in § 9 AO:

„Den gewöhnlichen Aufenthalt hat jemand dort, wo er sich unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass er an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht nur vorübergehend verweilt.“

Im internationalen Steuerrecht und vor allem in den Doppelbesteuerungsabkommen kommt es zusätzlich entscheidend auf den Lebensmittelpunkt an. Dabei wird entweder auf den Wohnsitz oder meist auf den gewöhnlichen Aufenthalt abgestellt.

 

Um deine Steuerpflicht in Deutschland zu beenden darfst du also weder einen Wohnsitz noch deinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Ansonsten musst du wie bisher eine Steuererklärung abgeben und auch deine ausländischen Einkünfte angeben, die zumindest dem Progressionsvorbehalt unterliegen. Bei ungünstigen Konstellationen müssen ausländische Einkünfte dann sogar in Deutschland versteuert werden.  

Das willst du natürlich vermeiden. Bei deiner Auswanderung solltest du unbedingt sicherstellen, dass du deinen Wohnsitz, deinen gewöhnlichen Aufenthalt und deinen Lebensmittelpunkt nicht mehr in Deutschland hast und deine Steuerpflicht rechtssicher beendest. Deine Tätigkeit im Ausland nimmst du bestenfalls erst danach auf. 

#2: gewöhnlicher Aufenthalt = „nicht nur vorübergehend“ in Deutschland

Du hast deinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland beendet, wenn du „nicht nur vorübergehend“ abwesend bist. Oder umgekehrt formuliert: wer „nicht nur vorübergehend“ in Deutschland ist, hat hier seinen gewöhnlichen Aufenthalt. Deine Auswanderung ist somit erst dann steuerrechtlich wirksam, wenn sie „nicht nur vorübergehend“, sondern dauerhaft ist.

Das bringt uns zur nächsten kniffligen Frage: was bedeutet nun „dauerhaft“?

#3: Auswanderung = mindestens 6 Monate im Ausland

Eine Grundregel lautet: nur wer mindestens 183 Tage lang nicht mehr in Deutschland ist, hat hier auch keinen gewöhnlichen Aufenthalt mehr. Erst wenn du mindestens 6 Monate auswanderst, kannst du deine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland mit dem Tag deiner Ausreise beenden. Ein paar wenige Besuche in Deutschland sind dabei auch okay, solange du nur kurzfristig hier bist.

Achtung: die 183-Tage-Regel ist nicht 100 % rechtssicher!

Exkurs: Im Gesetz lauert eine weitere Falle, denn in Ziffer 4. zu § 9 AO im Anwendungserlass zur AO (AEAO) ist Folgendes geregelt:
„Der gewöhnliche Aufenthalt im Inland ist aufgegeben, wenn der Steuerpflichtige zusammenhängend mehr als sechs Monate im Ausland lebt, es sei denn, dass besondere Umstände darauf schließen lassen, dass die Beziehungen zum Inland bestehen bleiben.
Entscheidend ist dabei, ob der Steuerpflichtige den persönlichen und geschäftlichen Lebensmittelpunkt ins Ausland verlegt hat und ob er seinen Willen, in den Geltungsbereich dieses Gesetzes zurückzukehren, endgültig aufgegeben hat.“

Wenn du nur etwas länger als 6 Monate ausgewandert bist, könntest du bei deiner Rückkehr ein Problem mit den Finanzbehörden bekommen. In der Praxis ist es so, dass dir viele Finanzämter bei einer kurzen Auswanderung von etwas über 6 Monaten unterstellen, dass du „nur vorübergebend“ im Ausland warst. So wird dann angenommen, dass du deinen gewöhnlichen Aufenthalt durchgehend in Deutschland hattest und entsprechend auch unbeschränkt steuerpflichtig warst. 

#4: Rechtssicherheit frühestens ab 13 Monaten

Ich fasse zusammen: wenn du zwischen 6 und 12 Monate auswandern möchtest, kommt es auf deinen Einzelfall an, ob deine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland beendet ist.

Aus meiner Erfahrung als Steuerberater kann ich sagen, dass erst ab mindestens 13 Monaten Abwesenheit nicht mehr angenommen wird, dass du „nur vorübergehend“ ausgewandert bist. 

Praxisbeispiel: Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 20.06.2001
Ein Rechtsanwalt hatte vom 01. Juli 1992 bis 31. Juli 1993 (also mehr als 12 Monate) in London gearbeitet. Das Finanzgericht Hamburg entschied: „Nach Auffassung des Senats hatten die Kläger in der Zeit vom 01.07.92 bis 31.07.93 weder einen Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Inland.“

Leider ist auch dieses Urteil nur eine Einzelfallentscheidung und nicht auf jeden beliebigen Fall übertragbar. Das heißt, auch ein 13-monatiger Auslandsaufenthalt ist noch keine absolute Garantie. 

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Wer ganz sicher gehen will: mindestens 24 Monate auswandern

Wer mindestens zwei Jahre auswandert, ist auf der sicheren Seite. Daher ist meine Empfehlung aus der Beratungspraxis, für mindestens 24 Monate auszuwandern.

Bei unterjähriger Auswanderung und unterjährigem Rückzug nach 24 Monaten ist so auch zumindest für ein Kalenderjahr keine Steuererklärung abzugeben bzw. zumindest keine Veranlagung zur unbeschränkten Steuerpflicht durchzuführen.

Diese Mindestdauer hat für Unternehmer noch einen zweiten Hintergrund, den ich dir nachfolgend erläutere.  

Meine Empfehlung für Unternehmer: mindestens 3-5 Jahre auswandern

Die Dauer deiner Auswanderung spielt eine weitere wichtige Rolle, wenn du als Unternehmer auswanderst und ein Unternehmen im Ausland gründest. Je länger du im Ausland lebst, desto größer ist deine Steuerersparnis gegenüber den Kosten für die Gründung und Beendigung deines Unternehmens. Denn um dein Sparpotenzial berechnen zu können, solltest du vorab nicht nur den finanziellen Aufwand der Gründung kalkulieren, sondern auch die Kosten der Liquidierung des Unternehmens im Ausland berücksichtigen. Die Unternehmensgründung im Ausland lohnt sich vor allem dann, wenn du dein Unternehmen dort auch über längere Zeit führst. 

Du solltest vor allem folgende Faktoren kennen, die in deine Berechnung miteinfließen:  

  • Wegzugsbesteuerung & Beratung: eine Auswanderung als deutscher Unternehmer kann zu einer Wegzugsbesteuerung führen. Lass dich hierzu unbedingt individuell und umfassend beraten, vor allem wenn dein deutsches Unternehmen schon recht profitabel ist (ab ca. 40.000 € Gewinn). Die Beratungskosten und ggf. Wegzugssteuern sind bereits ein Teil deiner Kostenrechnung.
  • Zielland & Rechtsform: dein zukünftiges Setup im Ausland, d. h. die Wahl des Sitzlandes und der richtigen Rechtsform entscheiden darüber, wie viel Steuern du in Zukunft (weniger) zahlst. Daher solltest du auch hier nicht an einer guten Beratung sparen.
  • Gründungskosten: die Gründung eines Auslandsunternehmens und die Wohnsitznahme verursachen einmalige Kosten im Zielland.
  • Laufende Kosten: die Betreuung deines Auslandsunternehmens verursacht ebenfalls Kosten. In der Regel sind diese aber niedriger als in Deutschland und können daher bei deiner Berechnung vernachlässigt werden. Vergleiche aber sicherheitshalber deinen jetzigen mit deinem zukünftigen Aufwand.
  • Beendigung & Liquidierung: bei einem Rückzug nach Deutschland ist es meist sinnvoll, das Unternehmen im Ausland wieder zu schließen. Die Kosten für die Auflösung und Liquidierung sind in den meisten Ländern mit den Gründungskosten vergleichbar. Bis zur endgültigen Schließung fällt ggf. auch noch eine Jahresgebühr für die laufende Betreuung an.  

So gehst du bei der Kalkulation vor:

  • Schritt 2: multipliziere die geplante Mindestdauer deiner Auswanderung mit deiner jährlichen Steuerersparnis. Wie bereits erläutert, empfehle ich eine Mindestdauer von 2 Jahren, um deinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland und damit deine Steuerpflicht zu beenden.
    Aus finanzieller Sicht macht die Auswanderung aber vor allem ab einem Zeitraum von mindestens 3 bis 5 Jahren Sinn. Je nach Gewinn kann sich die Sitzverlegung ins Ausland allerdings auch schon ab 2 Jahren lohnen
  • Schritt 3: vergleiche deine erwartete Steuerersparnis mit den Kosten der Gründung, Betreuung und Liquidierung. Wenn du für deine Situation die richtigen Entscheidungen triffst, bleibt am Ende der Rechnung ein guter Überschuss und die Auswanderung mit deinem Unternehmen ist steuerlich und finanziell rentabel

Beispielrechnung: Steuerersparnis bei einer Auswanderung nach Zypern für 3 Jahre:

Wer sein Unternehmen von Deutschland nach Zypern verlegt, spart bei einem Jahresgewinn von ca. 40.000 € etwa 3.900 € Steuern. Bei einer mindestens 3-jährigen Auswanderung ergibt sich ein Gesamt-Steuerersparnis von ca. 11.700 €.

Von dieser Ersparnis ziehen wir die folgenden einmaligen Investitionen ab:  

  • Beratung durch einen deutschen Steuerberater für eine rechtssichere Auswanderung: ca. 2.500 € (abhängig von der Unternehmensgröße etc.)
  • Wegzugssteuern: 0 € (i.d.R. vermeidbar bei einem Gewinn bis 40.000 €)
  • Gründung des Unternehmens in Zypern: 2.900 €
  • Liquidierung des Unternehmens in Zypern: 2.900 €

Damit kommen wir auf einmalige Gesamtkosten von 8.300 €. Ziehen wir diese Kosten von der Steuerersparnis ab, bleibt ein Überschuss von 3.400 €

FAZIT: ab welcher Dauer macht eine Auswanderung steuerlich Sinn?

  1. Um die Steuerpflicht zu beenden: deinen gewöhnlichen Aufenthalt und damit deine unbeschränkte Steuerpflicht kannst du rechtssicher beenden, wenn du für mindestens 2 Jahre auswanderst
  2. Um Steuern zu sparen: die Gründung eines Unternehmens im Ausland rechnet sich finanziell dann, wenn die Firma dort 2-3 Jahre, besser 3-5 Jahre geführt wird
  3. Um Wegzugssteuern zu vermeiden: du solltest nicht nur lange genug, sondern auch zum richtigen Zeitpunkt auswandern. Denn je früher und je niedriger die Gewinne sind, desto weniger Wegzugssteuern zahlst du

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Auswanderung und Wohnsitz: Die 3 häufigsten Fehler bei Beendigung deiner Steuerpflicht in Deutschland

Der Traum vom Leben und Arbeiten im Ausland ist so beliebt wie nie zuvor.

Immer mehr digitale Unternehmer sehen ihre Chance in der Digitalisierung und damit die Möglichkeit, ihren eigenen Arbeitsplatz in internationale Gefilde zu verlegen. Dabei sollten die steuerlichen Verpflichtungen stets besonders gründlich bedacht werden. Gerade hinsichtlich des Wohnsitzes, des gewöhnlichen Aufenthalts und des Lebensmittelpunktes werden häufig Kleinigkeiten übersehen, die rückwirkend zu einer unbeschränkten Steuerpflicht und Besteuerung des Welteinkommens in Deutschland führen.

Exkurs: Eine kurze Erklärung für Nicht-Steuerexperten:

Unbeschränkt steuerpflichtig bist du, wenn du in Deutschland einen Wohnsitz hast oder dich hier gewöhnlich aufhältst.
Einen Wohnsitz hast du, wenn du über eine Wohnung oder auch nur ein Zimmer verfügen kannst.
Einen gewöhnlichen Aufenthalt hast du, wenn du länger als 183 Tage im Jahr in Deutschland bist.
Beschränkt steuerpflichtig bist du, wenn du in Deutschland zwar Einkünfte erzielst, aber weder einen Wohnsitz noch deinen gewöhnlichen Aufenthalt hast.
Erweitert beschränkt steuerpflichtig bist du, wenn du als deutscher Auswanderer in ein Niedrigsteuerland ziehst und damit werden weitere Einkünfte beschränkt steuerpflichtig in Deutschland.

Mit den richtigen Strategien kannst du durch einen Wegzug nicht nur Steuern Sparen, sondern du hast auch ein beruhigtes Gewissen, in diesem komplexen Thema alles richtig gemacht zu haben und kannst dich auf dein Business und dein neues Leben konzentrieren. Erfahre hier, welche drei häufigsten Fehler du vermeiden kannst und wie du (mit der Auswanderung) Steuern Sparen kannst. 

Die drei häufigsten Fehler und wie du sie vermeidest:

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1. Wohnsitz: Du behältst die Verfügungsgewalt über deine Wohnung in Deutschland

Die Steuerpflicht wird in den meisten Staaten in erster Linie über den Wohnsitz bestimmt. Dort, wo du wohnst, musst du Steuern zahlen. Wenn du eine deutsche Wohnung hast, kannst du sie natürlich behalten und weitervermieten – zum Verkauf oder zur Kündigung des Mietvertrags bist du nicht verpflichtet. Nicht selten besteht bei Auswanderern jedoch der Fall, dass sie sowohl im Aus- als auch im Inland eine Wohnung unterhalten oder ein Zimmer zur Verfügung steht. Die deutschen Finanzbehörden schauen in diesem Fall genau hin, um zu prüfen, wo dein Wohnsitz liegt und du verpflichtet bist Steuern zu zahlen.

Entscheidend ist also deine Verfügungsgewalt. Du solltest keinen Wohnungsschlüssel mehr haben, denn dies kann ein Anzeichen sein, dass der Wohnsitz in Deutschland bestehen bleibt. Es sollte auch kein Zimmer bei Familie oder Freunden geben, dass du stets nutzen kannst. Letztlich ist entscheidend, dass Deutschlandbesuche egal ob im Hotel oder bei Familie oder Freunden immer Hotelcharakter haben, d.h. du solltest nur für die Zeit des Aufenthaltes einen Schlüssel haben und alle persönlichen Sachen mitbringen und wieder mitnehmen.

Die Abmeldung des Wohnsitzes beim Einwohnermeldeamt hingegen ist für die steuerliche Definition des Wohnsitzes nicht notwendig. Das entfaltet laut Tz. 1.2 zu § 8 im Anwendungserlass zur Abgabenordnung (AEAO) lediglich eine sogenannte Indizwirkung und wäre entsprechend „nur“ zu empfehlen.

2. Gewöhnlicher Aufenthalt: Längerer Aufenthalt für mehr als zwei Monate in Deutschland

Der zweite Faktor, der am häufigsten zur weiteren Besteuerung in Deutschland führt, ist die Beibehaltung des gewöhnlichen Aufenthalts in Deutschland. Grundsätzlich gilt hier die 6 Monats (183 Tage) Regelung als feste Kriterium, dass unbedingt unterschritten bleiben muss. Die gesetzliche Definition ist hier jedoch nicht trennscharf, sondern definiert lediglich einen „nicht nur vorübergehenden“ Aufenthalt. Daher hat sich in der Beratungspraxis bewährt, lediglich Besuche von einer Dauer von maximal 2 Monaten am Stück in Deutschland zu empfehlen. Dazwischen solltest du dich immer mindestens 3 Wochen im Ausland aufhalten und es sollte klar erkennbar sein, dass du dort keinen kurzfristigen Urlaub verbringst oder lediglich eine Geschäftsreise unternimmst.

Letztlich ist gerade dieses Kriterium ein gefährlicher Faktor, der nicht immer eindeutig beurteilt werden kann. Um zu vermeiden, dass die steuerliche Einordnung im Zweifelsfall auf dem Gerichtsweg erkämpft werden muss, sollte die 2 Monats-Empfehlung eingehalten werden.

Jedoch gibt es hier auch Ausnahmeregelungen, z.B. für Krankenbehandlungs-, Kur- oder Erholungszwecken, wo du sogar länger als 183 Tage in Deutschland verweilen darfst. 

3. Lebensmittelpunkt: Deine Familie in Deutschland

Bist du verheiratet und dein Ehepartner bleibt in Deutschland, kann die Steuerpflicht in Deutschland weiterhin bestehen, wenn der Lebensmittelpunkt durch die Familienwohnung angenommen wird. Entscheidend für einen möglichen Lebensmittelpunkt sind Ehepartner und minderjährige Kinder. Eltern, Geschwister oder Verwandte in Deutschland haben keinen Einfluss auf deinen Lebensmittelpunkt. Um einen Lebensmittelpunkt in Deutschland zu vermeiden, solltest du also mit deiner Familie gemeinsam auswandern. Selbst wenn ihr vorübergehend getrennt lebt, ist dies kein Argument bei der Steuerpflicht.

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