Auswanderung und Wohnsitz: Die drei häufigsten Fehler bei Beendigung deiner Steuerpflicht in Deutschland

Der Traum vom Leben und Arbeiten im Ausland ist so beliebt wie nie zuvor.

Immer mehr digitale Unternehmer sehen ihre Chance in der Digitalisierung und damit die Möglichkeit, ihren eigenen Arbeitsplatz in internationale Gefilde zu verlegen. Dabei sollten die steuerlichen Verpflichtungen stets besonders gründlich bedacht werden. Gerade hinsichtlich des Wohnsitzes, des gewöhnlichen Aufenthalts und des Lebensmittelpunktes werden häufig Kleinigkeiten übersehen, die rückwirkend zu einer unbeschränkten Steuerpflicht und Besteuerung des Welteinkommens in Deutschland führen.


Exkurs: Eine kurze Erklärung für Nicht-Steuerexperten:

Unbeschränkt steuerpflichtig bist du, wenn du in Deutschland einen Wohnsitz hast oder dich hier gewöhnlich aufhältst.

Einen Wohnsitz hast du, wenn über eine Wohnung oder auch nur ein Zimmer verfügen kannst.

Einen gewöhnlichen Aufenthalt hast du, wenn du länger als 183 Tage im Jahr in Deutschland bist.

Beschränkt steuerpflichtig bist du, wenn du in Deutschland zwar Einkünfte erzielst, aber weder einen Wohnsitz noch deinen gewöhnlichen Aufenthalt hast.

Erweitert beschränkt steuerpflichtig bist du, wenn du als deutscher Auswanderer in ein Niedrigsteuerland ziehst und damit werden weitere Einkünfte beschränkt steuerpflichtig in Deutschland.


Mit den richtigen Strategien kannst du durch einen Wegzug nicht nur Steuern Sparen, sondern du hast auch ein beruhigtes Gewissen, in diesem komplexen Thema alles richtig gemacht zu haben und kannst dich auf dein Business und dein neues Leben konzentrieren.

Erfahre hier, welche drei häufigsten Fehler du vermeiden kannst und wie du (mit der Auswanderung) Steuern Sparen kannst.

 

Die drei häufigsten Fehler und wie du sie vermeidest:

 

1. Wohnsitz: Du behältst die Verfügungsgewalt über deine Wohnung in Deutschland

Die Steuerpflicht wird in den meisten Staaten in erster Linie über den Wohnsitz bestimmt. Dort, wo du wohnst, musst du Steuern zahlen. Wenn du eine deutsche Wohnung hast, kannst du sie natürlich behalten und weitervermieten – zum Verkauf oder zur Kündigung des Mietvertrags bist du nicht verpflichtet. Nicht selten besteht bei Auswanderern jedoch der Fall, dass sie sowohl im Aus- als auch im Inland eine Wohnung unterhalten oder ein Zimmer zur Verfügung steht. Die deutschen Finanzbehörden schauen in diesem Fall genau hin, um zu prüfen, wo dein Wohnsitz liegt und du verpflichtet bist Steuern zu zahlen.

Entscheidend ist also deine Verfügungsgewalt. Du solltest keinen Wohnungsschlüssel mehr haben, denn dies kann ein Anzeichen sein, dass der Wohnsitz in Deutschland bestehen bleibt. Es sollte auch kein Zimmer bei Familie oder Freunden geben, dass du stets nutzen kannst. Letztlich ist entscheidend, dass Deutschlandbesuche egal ob im Hotel oder bei Familie oder Freunden immer Hotelcharakter haben, d.h. du solltest nur für die Zeit des Aufenthaltes einen Schlüssel haben und alle persönlichen Sachen mitbringen und wieder mitnehmen.

Die Abmeldung des Wohnsitzes beim Einwohnermeldeamt hingegen ist für die steuerliche Definition des Wohnsitzes nicht notwendig. Das entfaltet laut Tz. 1.2 zu § 8 im Anwendungserlass zur Abgabenordnung (AEAO) lediglich eine sogenannte Indizwirkung und wäre entsprechend „nur“ zu empfehlen.

2. Gewöhnlicher Aufenthalt: Längerer Aufenthalt für mehr als zwei Monate in Deutschland

Der zweite Faktor, der am häufigsten zur weiteren Besteuerung in Deutschland führt, ist die Beibehaltung des gewöhnlichen Aufenthalts in Deutschland. Grundsätzlich gilt hier die 6 Monats (183 Tage) Regelung als feste Kriterium, dass unbedingt unterschritten bleiben muss. Die gesetzliche Definition ist hier jedoch nicht trennscharf, sondern definiert lediglich einen „nicht nur vorübergehenden“ Aufenthalt. Daher hat sich in der Beratungspraxis bewährt, lediglich Besuche von einer Dauer von maximal 2 Monaten am Stück in Deutschland zu empfehlen. Dazwischen solltest du dich immer mindestens 3 Wochen im Ausland aufhalten und es sollte klar erkennbar sein, dass du dort keinen kurzfristigen Urlaub verbringst oder lediglich eine Geschäftsreise unternimmst.

Letztlich ist gerade dieses Kriterium ein gefährlicher Faktor, der nicht immer eindeutig beurteilt werden kann. Um zu vermeiden, dass die steuerliche Einordnung im Zweifelsfall auf dem Gerichtsweg erkämpft werden muss, sollte die 2 Monats-Empfehlung eingehalten werden.

Jedoch gibt es hier auch Ausnahmeregelungen, z.B. für Krankenbehandlungs-, Kur- oder Erholungszwecken, wo du sogar länger als 183 Tage in Deutschland verweilen darfst. 

3. Lebensmittelpunkt: Deine Familie in Deutschland

Bist du verheiratet und dein Ehepartner bleibt in Deutschland, kann die Steuerpflicht in Deutschland weiterhin bestehen, wenn der Lebensmittelpunkt durch die Familienwohnung angenommen wird. Entscheidend für einen möglichen Lebensmittelpunkt sind Ehepartner und minderjährige Kinder. Eltern, Geschwister oder Verwandte in Deutschland haben keinen Einfluss auf deinen Lebensmittelpunkt. Um einen Lebensmittelpunkt in Deutschland zu vermeiden, solltest du also mit deiner Familie gemeinsam auswandern. Selbst wenn ihr vorübergehend getrennt lebt, ist dies kein Argument bei der Steuerpflicht.


Du hast nun einen kleinen Überblick, was du bei der Verlagerung deines Lebensmittelpunktes ins Ausland beachten musst, um legal und rechtssicher Steuern zu Sparen und nicht weiterhin in Deutschland Steuern zahlen zu müssen. Aus diesem Grund ist es hilfreich und empfehlenswert, die Regelungen der §§ 8 und 9 AO und des AOAE „Wohnsitz“ und „gewöhnlicher Aufenthalt“ genau zu kennen. Natürlich können auch noch weitere Anknüpfungspunkte für eine Steuerpflicht in Deutschland bestehen. Daher ist es unbedingt zu empfehlen, dass du dich mit diesen Themen auseinandersetzt und einen Experten heranziehst und dich bei deinem Wegzug und einer Abmeldung rechtssicher begleitet.

 

Wir möchten hier auch nicht alle kreativen Modelle aufzeigen. Gerne beraten wir dich dazu individuell. Danach steht deinem Weg ins Ausland mit für dich besseren Lebensbedingungen, weniger Bürokratie und fairen Steuern nichts mehr im Weg.

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Gustav (Freitag, 02 August 2019 15:22)

    Vielen Dank für den Beitrag!
    Gerne würde ich wissen, ob es ein Problem darstellt, wenn ich jedes Wochenende meine Freundin in Deutschland besuche, dort aber keinen Wohnsitz mehr habe, sondern ausschliesslich in der Schweiz gemeldet bin und dort auch sonst wohne.

    Viele Grüsse,
    Gustav

  • #2

    Michael (Montag, 12 August 2019 13:28)

    Hallo Gustav,
    leider gilt auch hier wie so oft im Steuerrecht: Es kommt darauf an. Wenn du in Deutschland keinen Wohnsitz mehr hast, könntest du durch den gewönhlichen Aufenthalt noch unbeschränkt steuerpflichtig sein (grs. ab 183 Tagen in Deutschland). Wichtiger ist aber dein Lebensmittelpunkt. Das könnte durchaus gegeben sein, wenn mehr dafür spricht (z.B. Freundin, Familie, Vereine), dass dieser in Deutschland ist. Schau dazu doch auch mal in das DBA Deutschland - Schweiz in Art. 4 unter Ansässigkeit. Wenn du demnach in Deutschland ansässig bist, kann es durchaus zu "Problemen" führen. Wenn du in der Schweiz ansässig bist, wird dadurch Deutschland oftmals das Besteuerungsrecht entzogen.

    Ich hoffe, das hat dir weitergeholfen. Wie du aber siehst, kann deine Frage nicht ad-hoc beantwortet werden. Insbesondere kommt es auch auf deine Situation vor dem Wegzug und deine jeweiligen Einkünfte an.

    Liebe Grüße
    Michael

  • #3

    Stefanie (Sonntag, 08 September 2019 13:58)

    Super, hilfreicher Beitrag. Vielen Dank.
    Bei mir ist es genau umgekehrt und noch ein bisschen komplizierter. Ich möchte in Deutschland steuerpflichtig bleiben und vermeiden, dass ich unters Doppelbesteuerungsabkommen falle.
    Ich bin in Deutschland (Haupt) und in Portugal (neben) gemeldet. Ich verfüge über eine Wohnung in Deutschland und in Portugal (beide nicht untervermietet).
    Ich habe Verträge (Internet, Versicherungen, Auto) in beiden Ländern. Meine Kunden sitzen in Deutschland und überweisen mein Freiberufler-Einkommen aufs Deutsche Konto. Mein Steuerberater ist in Deutschland und sämtliche Geschäftlichen Verträge werden dort geschlossen. Meine Eltern und Geschwister leben in Deutschland.

    Aber ich halte mich mehr als 183 Tage in Portugal mit meinem kranken Freund auf! (3-Monate pro Jahr unzusammenhängend in De. 9 Monate unzusammenhängend in PT) ich erledige meine Arbeit ausschließlich am Laptop. Ich bin mind. 1-2 pro Monat auf Geschäftsreise in Deutschland zur Präsentation.
    Kann mich Portugal zur Doppelbesteuerung zwingen oder bin ich mit dieser Konstellation sicher? Muss ich mit Nachforderungen von Steuerbeträgen aus Portugal rechnen?

  • #4

    Michael (Mittwoch, 11 September 2019 16:35)

    Hallo Stefanie,

    grundsätzlich bist du durch den Wohnsitz in DE unbeschränkt steuerpflichtig. In PT ist das nach nationalen Gesetzen zu beurteilen, dürfte aber auch so sein. Dann hättest du nach DBA zwei Wohnsitze und für deine Ansässigkeit ist dein Lebensmittelpunkt (die 183 Tage sind nachrangig) ausschlaggebend. Das kann hier nicht abschließend beantwortet werden, aber aufgrund deines Freundes und der ca. 9 Monate in PT spricht einiges für PT.

    Für deine Einkünfte ist aber Art. 7 im DBA einschlägig, d.h. es geht um die Ansässigkeit deines Unternehmens. Das wäre grundsätzlich Deutschland und entsprechend hier zu besteuern. Es verbleibt aber ein Restrisiko, dass PT eine Betriebsstätte (insbesondere durch die "Leitung" in PT) annimmt. Das ist ein sehr schwieriges Thema, schau dazu mal in Art. 5 des DBA.

    Ich würde empfehlen, das Thema mal mit einem Steuerberater in PT zu besprechen.

    Bitte beachte, dass ich hier keine explizite Steuerberatung, sondern nur eine kurze erste Einschätzung abgeben kann.