Auswanderung und Wohnsitz: Die 3 häufigsten Fehler bei Beendigung deiner Steuerpflicht in Deutschland

Der Traum vom Leben und Arbeiten im Ausland ist so beliebt wie nie zuvor

Immer mehr digitale Unternehmer sehen ihre Chance in der Digitalisierung und damit die Möglichkeit, ihren eigenen Arbeitsplatz in internationale Gefilde zu verlegen. Dabei sollten die steuerlichen Verpflichtungen stets besonders gründlich bedacht werden. Gerade hinsichtlich des Wohnsitzes, des gewöhnlichen Aufenthalts und des Lebensmittelpunktes werden häufig Kleinigkeiten übersehen, die rückwirkend zu einer unbeschränkten Steuerpflicht und Besteuerung des Welteinkommens in Deutschland führen.

In diesem Artikel zeige ich dir die 3 häufigsten Fehler bei Beendigung deiner Steuerpflicht in Deutschland.

Inhalt

Exkurs: Erklärung unbeschränkte Steuerpflicht:
Unbeschränkt steuerpflichtig bist du, wenn du in Deutschland einen Wohnsitz hast oder dich hier gewöhnlich aufhältst.
Einen Wohnsitz hast du, wenn du über eine Wohnung oder auch nur ein Zimmer verfügen kannst.
Einen gewöhnlichen Aufenthalt hast du, wenn du länger als 183 Tage im Jahr in Deutschland bist.
Beschränkt steuerpflichtig bist du, wenn du in Deutschland zwar Einkünfte erzielst, aber weder einen Wohnsitz noch deinen gewöhnlichen Aufenthalt hast.
Erweitert beschränkt steuerpflichtig bist du, wenn du als deutscher Auswanderer in ein Niedrigsteuerland ziehst und damit werden weitere Einkünfte beschränkt steuerpflichtig in Deutschland.

Mit den richtigen Strategien kannst du durch einen Wegzug nicht nur Steuern Sparen, sondern du hast auch ein beruhigtes Gewissen, in diesem komplexen Thema alles richtig gemacht zu haben und kannst dich auf dein Business und dein neues Leben konzentrieren. Erfahre hier, welche drei häufigsten Fehler du vermeiden kannst und wie du (mit der Auswanderung) Steuern Sparen kannst. 

Die drei häufigsten Fehler und wie du sie vermeidest:

1. Wohnsitz: Du behältst die Verfügungsgewalt über deine Wohnung in Deutschland

Die Steuerpflicht wird in den meisten Staaten in erster Linie über den Wohnsitz bestimmt. Dort, wo du wohnst, musst du Steuern zahlen. Wenn du eine deutsche Wohnung hast, kannst du sie natürlich behalten und weitervermieten – zum Verkauf oder zur Kündigung des Mietvertrags bist du nicht verpflichtet. Nicht selten besteht bei Auswanderern jedoch der Fall, dass sie sowohl im Aus- als auch im Inland eine Wohnung unterhalten oder ein Zimmer zur Verfügung steht. Die deutschen Finanzbehörden schauen in diesem Fall genau hin, um zu prüfen, wo dein Wohnsitz liegt und du verpflichtet bist Steuern zu zahlen.

Entscheidend ist also deine Verfügungsgewalt. Du solltest keinen Wohnungsschlüssel mehr haben, denn dies kann ein Anzeichen sein, dass der Wohnsitz in Deutschland bestehen bleibt. Es sollte auch kein Zimmer bei Familie oder Freunden geben, dass du stets nutzen kannst. Letztlich ist entscheidend, dass Deutschlandbesuche egal ob im Hotel oder bei Familie oder Freunden immer Hotelcharakter haben, d.h. du solltest nur für die Zeit des Aufenthaltes einen Schlüssel haben und alle persönlichen Sachen mitbringen und wieder mitnehmen.

Die Abmeldung des Wohnsitzes beim Einwohnermeldeamt hingegen ist für die steuerliche Definition des Wohnsitzes nicht notwendig. Das entfaltet laut Tz. 1.2 zu § 8 im Anwendungserlass zur Abgabenordnung (AEAO) lediglich eine sogenannte Indizwirkung und wäre entsprechend „nur“ zu empfehlen.

2. Gewöhnlicher Aufenthalt: Längerer Aufenthalt für mehr als zwei Monate in Deutschland

Der zweite Faktor, der am häufigsten zur weiteren Besteuerung in Deutschland führt, ist die Beibehaltung des gewöhnlichen Aufenthalts in Deutschland. Grundsätzlich gilt hier die 6 Monats (183 Tage) Regelung als feste Kriterium, dass unbedingt unterschritten bleiben muss. Die gesetzliche Definition ist hier jedoch nicht trennscharf, sondern definiert lediglich einen „nicht nur vorübergehenden“ Aufenthalt. Daher hat sich in der Beratungspraxis bewährt, lediglich Besuche von einer Dauer von maximal 2 Monaten am Stück in Deutschland zu empfehlen. Dazwischen solltest du dich immer mindestens 3 Wochen im Ausland aufhalten und es sollte klar erkennbar sein, dass du dort keinen kurzfristigen Urlaub verbringst oder lediglich eine Geschäftsreise unternimmst.

Letztlich ist gerade dieses Kriterium ein gefährlicher Faktor, der nicht immer eindeutig beurteilt werden kann. Um zu vermeiden, dass die steuerliche Einordnung im Zweifelsfall auf dem Gerichtsweg erkämpft werden muss, sollte die 2 Monats-Empfehlung eingehalten werden.

Jedoch gibt es hier auch Ausnahmeregelungen, z.B. für Krankenbehandlungs-, Kur- oder Erholungszwecken, wo du sogar länger als 183 Tage in Deutschland verweilen darfst. 

3. Lebensmittelpunkt: Deine Familie in Deutschland

Bist du verheiratet und dein Ehepartner bleibt in Deutschland, kann die Steuerpflicht in Deutschland weiterhin bestehen, wenn der Lebensmittelpunkt durch die Familienwohnung angenommen wird. Entscheidend für einen möglichen Lebensmittelpunkt sind Ehepartner und minderjährige Kinder. Eltern, Geschwister oder Verwandte in Deutschland haben keinen Einfluss auf deinen Lebensmittelpunkt. Um einen Lebensmittelpunkt in Deutschland zu vermeiden, solltest du also mit deiner Familie gemeinsam auswandern. Selbst wenn ihr vorübergehend getrennt lebt, ist dies kein Argument bei der Steuerpflicht.

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Michael Wohlfart
Michael Wohlfart

Dein Steuerberater für eine rechtssichere Auswanderung

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26 Antworten

  1. Ich arbeite als Reiseleiter für verschiedene deutsche Firmen im EU Ausland und in Russland, Armenien etc.
    Jetzt möchte ich am Liebsten in der Ukraine wohnen und viel Reisen und hier keine Steuern mehr zahlen. Gerne zahle ich Steuern in Estland, einem Land der Zukunft. Wenn ich mich hier abmelde und nur etwa zwei Monate im Jahr in Deutschland verbringe, kann ich es einrichten keine Steuern als Selbständiger zu zahlen?

    1. Hallo Dominik,

      wenn du dein Unternehmen an deinen Wohnsitz (Ukraine) verlagerst, dürfte das so gehen. Sofern du die Leistungen dann noch in DE ausübst, wären diese ggf. beschränkt steuerpflichtig (vgl. § 49 (1) Nr. 4 EStG). Das wäre vermeidbar, wenn du die Leistungen als Gewerbe im Ausland ausübst und/oder wenn das DBA Ukraine das Besteuerungsrecht der Ukraine zuweist.

      Beste Grüße
      Michael

  2. Hallo Michael,
    ich habe ein Angebot das ich weiter als Homeoffice arbeite,
    ich bleibe weiter angemeldet in der Firma (DE) und „wohne“ in Kroatien ,
    bleibe 4-5 Wochen in Kroatien und dann 1 Woche in Deutschland.
    Brauch ich ein Wohnsitz oder eine Adresse in Deutschland wo ich angemeldet bin?
    Oder kann ich normal mein Wohnsitzt in Kroatien angeben?
    wie funktioniert dann das mit Steuer ? ich bezahle Steuer normal in Deutschland ,oder?
    Krankversicherung bleibt auch die gleiche wie jetzt,oder?

    Danke!

    1. Hallo,
      du kannst selbstverständlich aus dem Ausland für einen deutschen Arbeitgeber arbeiten. Dafür reicht der Wohnsitz in Kroatien. Das Gehalt dürfte dann aufzuteilen und in Deutschland und Kroatien zu besteuern sein (vgl. Art. 15 im DBA). Vermutlich musst du dich aber in Kroatien kranken-versichern und dort die Sozialversicherungsabgaben leisten.

      Beste Grüße, Michael

  3. Hallo,
    ich würde gerne wissen, wie es ist wenn ich in Dubai eine Arbeit annehme und noch in Deutschland gemeldet bin. In Deutschland jedoch keine Wohnung habe lediglich ein paar mal im Jahr (maximal 50 Tage) meine Familie und Freunde besuche.
    Laut der Beschreibung oben müsste ich dann keine Steuern in Deutschland zahlen, richtig?

    Liebe Grüße

    1. Hallo,
      die Abmeldung ist immer zu empfehlen, stellt aber nur ein Indiz für die Beendigung der unbeschränkten Steuerpflicht dar. Entscheidend ist die Aufgabe des Wohnsitzes / gewöhnlichen Aufenthalts nach §§ 8, 9 AO.

      Schau dazu mal in Tz. 1.2 des AEAO:
      „Die bloße Absicht, einen Wohnsitz zu begründen oder aufzugeben, bzw. die An- und Abmeldung bei der Ordnungsbehörde entfalten allein keine unmittelbare steuerliche Wirkung (BFH-Urteil vom 14.11.1969, III R 95/68, BStBl 1970 II S. 153). Hat der Steuerpflichtige eine Wohnung inne, die nach objektiven Maßstäben dauerhaft genutzt und beibehalten werden soll, kommt einem etwaigen Willen des Steuerpflichtigen, an diesem Platz keinen Wohnsitz begründen oder beibehalten zu wollen, keine Bedeutung zu (vgl. BFH-Urteil vom 23.11.1988, II R 139/87, BStBl 1989 II S. 182). Maßgeblich sind alleine die tatsächlichen Lebensverhältnisse; völkerrechtliche Vereinbarungen, insbesondere des Konsularrechts, stehen der Annahme eines Wohnsitzes gem. § 8 AO im Inland daher nicht entgegen (BFH-Urteil vom 8.8.2013, VI R 45/12, BStBl 2014 II S. 836). Die An- und Abmeldung bei der Ordnungsbehörde können im Allgemeinen als Indizien dafür angesehen werden, dass der Steuerpflichtige seinen Wohnsitz unter der von ihm angegebenen Anschrift begründet bzw. aufgegeben hat.“

  4. Hallo,
    ich habe einen DE Arbeitgeber, bei dem ich in Homeoffice arbeite. Wenn ich in der Schweiz wohne und weiter für die Deutsche Firma arbeite, welchem Steuerrecht und welchem Sozialverdicherungsrecht unterliege ich?

    Gruß
    Wilhelm

    1. Hallo Wilhelm,
      das dürfte dann die Schweiz sein. Die Steuer wäre insoweit aufzuteilen, wie die Tätigkeit in DE erbracht wird. Für die SV gibt es in der EU/EWR einheitliche Regelungen.
      Beste Grüße
      Michael

  5. Hallo Michael,
    ich lebe mit meinem argentinischen Mann seit über 3 Jahren in Argentinien, konnte mich hier aber nicht offiziell anmelden, da ich erst seit Ende Februar alle Papiere für die Aufenthaltsgenehmigung zusammen habe, aber zur Zeit alle Behörden wegen Covid 19 geschlossen sind.
    Vorher habe ich 15 Jahre in der Schweiz gelebt und weil meine Töchter in Deutschland studieren, habe ich mich im Dezember in Deutschland angemeldet (ich besitze eine Eigentumswohnung, die meine Mutter bewohnt), damit meine Töchter mein Auto in Deutschland fahren können, während ich in Argentinien bin (mit einem Schweizer Kennzeichen ist das nur für eine begrenzte Zeit möglich). Ende des Jahres kann ich meiner Tochter mein Auto schenken sonst muss ich Einfuhrsteuer für mein eigenes Auto bezahlen.
    Ich habe immer eine Steuererklärung für beschränkt Steuerpflichtige abgegeben, da ich ja in der Schweiz gelebt habe und nur die Vermietung der Eigentumswohnung versteuert habe. Jetzt habe ich diese wieder ausgefüllt, da ich ja nicht wirklich in Deutschland wohne, auch wenn ich dort gemeldet bin. Muss ich das dem Finanzamt mitteilen? Ist es sinnvoll in Deutschland weiter gemeldet zu sein oder melde ich mich besser ganz ab?
    Ich arbeite hier in Argentinien nicht und bin bei meinem Mann krankenversichert.
    Danke für Deine Antwort
    Isabel

    1. Hallo Isabel,
      das ist ein recht komplexer Fall. Nur soviel: „die An- und Abmeldung bei der Ordnungsbehörde entfalten allein keine unmittelbare steuerliche Wirkung (BFH-Urteil vom 14.11.1969, III R 95/68, BStBl 1970 II S. 153).“
      https://datenbank.nwb.de/Dokument/Anzeigen/500001_8/

      Du könntest also beschränkt steuerpflichtig bleiben, wenn sonst kein Wohnsitz anzunehmen ist. Das würde ich dem Finanzamt mit Abgabe der Steuererklärung so mitteilen, da die Meldung dort ggf. erfasst ist.
      Viel Erfolg,
      Michael

  6. Hallo Michael,
    ich habe im Dez. 2019 meine Praxis in Deutschland aufgegeben, habe heuer nachträglich noch ein halbes Jahreseinkommen bezogen. Jetzt arbeite ich nirgends mehr, beziehe auch keine Rente; allerdings habe ich in Deutschland (geringe) Mieteinkünfte. Ich möchte meinen Wohnsitz nach Spanien verlagern, allerdings betreue ich in Deutschland meine pflegebedürftige Mutter – dies ist für insgesamt 6 Monate jährlich vorgesehen – ich wohne während der Zeit auch in ihrem Haus, wo derzeit auch noch mein Hauptwohnsitz ist. Spricht was dagegen, meinen Wohnsitz jetzt schon zu verlagern, oder ist es besser, bis 2021 zu warten?
    Vielen Dank für eine eventuelle Antwort!

    1. Hallo Renate,
      ein Doppelwohnsitz kann kompliziert sein, da dadurch i.d.R. 2 volle Steuererklärungen abgegeben werden müssen. Wenn du in 2021 weiterhin deine Mutter 6 Monate betreust, könnte das Finanzamt auch weiterhin von einem Wohnsitz ausgehen. Ansonsten ist das bei nur Miet-Einkünften unkritisch. Diese sind in Spanien nicht steuerpflichtig. Ob bei Wohnsitznahme in 2020 eine Steuererklärung in Spanien abzugeben ist, solltest du am besten vorher dort abklären.
      Viel Erfolg
      Michael

  7. Vielen Dank,

    wie ist es wenn ich das Bankkonto in deutschland behalten würde um unter anderem Geld einzuzahlen und die deutsche Fernuni zu bezhalen? Würde das gehen?

  8. Hallo Michael,

    ich werde meinen Hauptwohnsitz in die Schweiz verlegen, auf Grund einer Jobveränderung. Ich habe aber weiterhin eine Wohnung an der Ostsee gemietet, für die ich dann wohl Zweitwohnsitzsteuer zahlen muss.. Ich halte mich in jedem Fall mehr als 183 Tage im Jahr in der Schweiz auf. In der Schweiz habe ich eine Festanstellung, arbeite aber zu einem geringen Teil auch selbständig. In Deutschland habe ich zusätzlich noch eine kleine Festanstellung, wo ich ca. 1x im Monat bin.

    Wo muss ich Steuern zahlen?

    Vielen Dank für eine Antwort!

    Mit freundlichen Grüssen

    Claudia Freitag

    1. Hallo Claudia,
      wenn du einen Doppelwohnsitz hast, dürftest du in beiden Ländern unbeschränkt steuerpflichtig sein. Dia Ansässigkeit wäre aber wohl in der Schweiz. Die Besteuerung der Festanstellungen richtet sich grs. nach dem Ort der Ausübung. Die Selbständigkeit grs. nach der Betriebsstätte des Unternehmens. Kompliziert ist in diesem Fall das DBA mit der Schweiz. Zum einen solltest du prüfen, ob die Selbständigkeit ggf. abweichend beurteilt wird. Vor allem aber dürfte die überdachende Besteuerung greifen.
      Insgesamt kann das also nicht eindeutig beantwortet werden. Am besten gehst du zu einem grenznahen und auf das DBA Schweiz spezialisierten Steuerberater.
      Viel Erfolg
      Michael

  9. Wir sind 2019 nach Kanada ausgewandert.
    Mein Mann hat ein Haus 2019 in Deutschland veräußert.
    Steuer zahlen wir in Kanada.
    Ist eine Steuer für den Erlös aus dem Haus in D fällig? Oder eine Erklärung?
    Lebensmittelpunkt liegt in Kanada, Arbeit, Kind in der Schule, Arbeitgeber, Wohnsitz.

    1. Hallo,
      hier greift üblicherweise das Belegenheitsprinzip. Die Immobilie wäre demnach nach den üblichen Regeln in DE zu besteuern, inkl. Steuererklärung.

      Gute Zeit in Kanada

  10. Ich bin Deutscher, wohnhaft und steuerlich ansässig in Thailand (das ist gekärt). Bei einer deutschen GmbH bin ich einer von zwei Geschäftsführern (der andere wohnt in Deutschland). Falls mir die GmbH zukünftig ein Gehalt zahlen würde, gehe ich davon aus, dass dieses in Thailand zu versteuern wäre, zumal das Besteuerungsrecht auf mein Welteinkommen bei Thailand liegt, wo die Tätigkeit im übrigen auch ausgeübt wird. Nun die Frage: unterläge dieses Gehalt trotzdem noch irgendwelchen deutschen Abgaben? Wenn ja, bekomme ich die aufgrund des DBA zurück, und löst ein solches Gehalt eine beschränkte Steuerpflicht aus?

    Falls relevant: ich bin wirtschaftlich Berechtigter (über eine Holding-KG) aber nicht Gesellschafter der GmbH.

    1. Hallo,
      das lässt sich pauschal nicht beantworten. Grundsätzlich sind Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, die als Vergütung für eine Tätigkeit als Geschäftsführer mit Geschäftsleitung im Inland bezogen werden, beschränkt steuerpflichtig.
      Laut DBA ist das Gehalt aber je nach Ausübungsort aufzuteilen.

      In diesem Zusammenhang muss auch § 12 (3) KStG beachtet werden: „Verlegt eine Körperschaft, Vermögensmasse oder Personenvereinigung ihre Geschäftsleitung oder ihren Sitz und scheidet sie dadurch aus der unbeschränkten Steuerpflicht in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder einem Staat aus, auf den das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum Anwendung findet, gilt sie als aufgelöst, und § 11 ist entsprechend anzuwenden.“

      Ich hoffe, das ist für eine erste Einschätzung hilfreich. Hier sollte ein Steuerberater hinzugezogen werden.

  11. Hallo Michael,
    Ich finds super, dass du dir so viel Zeit nimmst hier die Fragen zu beantworten, so konsequent machen das die wenigsten.
    Ich habe mich überall durchgelesen, bin mir aber nicht ganz sicher, habe ich folgendes richtig verstanden? Undzwar möchte ich bald ein Gewerbe gründen und 2 freie Berufe eintragen, daraufhin mich hier endgültig abmelden und auf die Philippinen ziehen. Ich wäre dann ab Einzugsdatum auf den Philippinen allein dort steuerpflichtig, ist das richtig so? Die Arbeit würde ich nämlich nur vom Laptop aus machen und damit eben auf den Philippinen, allerdings das deutsche Gewerbe beibehalten. Müsste ich dann quasi eine Nullsteuererklärung abgeben, weil ich in Deutschland keine Einnahmen habe, nur in der Anlage Aus meine ganzen Einnahmen aufzählen? Auch frage ich mich, ob ich dort überhaupt Steuern zahlen kann, da ich nur mit Touristenvisum da leben möchte und Touristen ja das Arbeiten nicht gestattet ist, oder verhält es sich bei Freelancern anders? Dann könnte ich auch dort ein Gewerbe anmelden, aber das wird wohl nicht erlaubt sein. Des weiteren haben die Philippinen ja ein Territorialsteuersystem. Wenn ich jetzt Einnahmen von Amazon aus Luxemburg habe, muss ich die dort versteuern? Und wie sieht es aus wenn ich für einen deutschen Kunden einen Text lektoriere, aber die Leistung auf den Philippinen erbringe? Habe mal gelesen das der Ort des Leistungsempfängers bestimmt, ob es Aulandseinkommen ist und damit wäre ja beides Aulandseinkommen was ich in den Philippinen nicht versteuern müsste. Dann müsste ich aber nirgendwo Steuern zahlen, das kann doch auch nicht so stimmen?
    Ich hoffe das Beantworten der ganzen Fragen ist nicht zu viel verlangt, aber genau diese Infos findet man so nicht im Internet, vielleicht schreibst du mal einen Artikel drüber.
    Danke, Sergej.

    1. Hallo Sergej,
      danke für dein tolles Feedback, viel Arbeit. 😉
      Die rechtliche Situation auf den Philippinen musst du dort klären. Zu den Philippinen habe ich nur rudimentäres Wissen. Ein Steuerzertifikat bekommst du m.W. nur, wenn du auch Steuern zahlst. Ein Touristenvisum wird nicht ausreichen.
      Die Gewerbe in DE wirst du mit einer „Nullsteuererklärung“ nicht führen können. Ohne Betriebsstätte in DE wird das eine Betriebsaufgabe auslösen.
      Gerne beantworte ich einzelne, zum Artikel passende Fragen. Aber deine Anfrage ist insgesamt zu komplex.
      Wenn wir dich mit meiner Kanzlei kwpartners Steuerberatungsgesellschaft mbH unterstützen können, kannst du dich gerne hier melden: https://www.kwpartners.de/rechtssichere-auswanderung
      Beste Grüße, Michael

  12. Lieber Michael – das sind ja viele spannende Infos! Super – danke!! Ich hätte aber ausnahmsweise einmal das umgekehrte Problem. Wir (Mann festangestellt, arbeitet weiter weg als ein Grenzgänger weiterhin in D und ich – Freiberuflerin) möchten nach Österreich ziehen. Kannst Du uns hierbei auch einen Tipp geben? – Wir sind beide Deutsche. Wegen div. Probleme wg. Ehegattensplitting (gibt es dort nicht mehr), Kinderfreibeträgen unserer studierenden Kinder und der Pflichtversicherung für Selbständige in Österreich würden wir aber zunächst noch gerne zumindest für die ersten Jahre gerne BEIDE in D unbeschränkt steuerpflichtig bleiben.
    Bei ihm scheint es kein Problem zu sein, diesen Status zu bekommen. Problem scheint eher, dass er dann auf Steuerklasse 1 zurückfallen könnte? – Daher: Wie stelle ich das an, die normalerweise vorwiegend von zu Hause im eigenen Office arbeitet und nur gelgentlich Kunden besucht (die allerdings sind vorwiegend in D und bleiben auch dort), ohne dass ich ein Büro im nächsterreichbaren Ort in Deutschland mieten und dauernd von dort aus arbeiten müsste!? Genügt ein virtual office/eine Geschäftsadresse, kann ich mein Office beim meiner Schwiegermutter im Haus anmelden oder bei meinen Eltern – auch wenn mein Mann und ich beide den ersten Wohnsitz in Österreiche haben? Oder sollte ich bei meinen Eltern dann zumindest noch einen weiteren Wohnsitz anmelden? Gibt es irgendeine Lösung mit der wir das steuerlich sicher hinbekommen für ein paar Übergangsjahre, dass auch ich unbeschränkt steuerpflichtig in D und wir beide gemeinsam veranlagt bleiben?

    LG Paula

    1. Hallo Paula,
      die unbeschränkte Steuerpflicht und die Besteuerung deines Unternehmens sind verschiedene Themen. Wenn du keine Betriebsstätte/Substanz in Deutschland hat, lässt sich eine Besteuerung deines Unternehmens in Österreich kaum vermeiden.
      Für die unbeschränkte Steuerpflicht reicht grundsätzlich ein (Zweit-) Wohnsitz. Alternativ kann man ggf. auch einen Antrag nach §§ 1 (3) bzw. 1a EStG stellen. Insgesamt dürfte das aber nicht wirklich zielführend sein und ein Doppelwohnsitz sollte im Regelfall vermieden werden. Zusammenfassend lässt sich das also wohl nicht ohne detaillierte Analyse einschätzen. Ich hoffe, das hilft für eine erste Einschätzung.
      Beste Grüße
      Michael

  13. Hallo Michael,

    vielen Dank für die verständliche Erklärung dieser komplexen Thematik.

    Ich wohne in seit mehreren Jahren ausschließlich in Portugal und habe dort auch meinen Steuerwohnsitz.
    In Deutschland bin ich komplett abgemeldet.

    Nun möchte ich gerne eine Immobilie in Deutschland kaufen, um diese zu vermieten.
    Die Banken wollen zur Finanzierung einen deutschen Wohnsitz nachgewiesen haben.
    Dieser muss grundsätzlich nur bestehen, wenn der Kredit vergeben wird.

    Frage:
    Kann ich mich für ein paar Wochen oder 2 Monate in Deutschland melden und mich danach wieder abmelden, ohne in Deutschland steuerpflichtig zu werden oder mühsam Nachweise über meinen portugiesischen Lebensmittelpunkt erbringen zu müssen?

    Herzlichen Dank!
    Andreas

    1. Hallo Andreas,
      die Meldung beim Einwohnermeldeamt hat für das Finanzamt grundsätzlich keine Relevanz:
      Die bloße Absicht, einen Wohnsitz zu begründen oder aufzugeben, bzw. die An- und Abmeldung bei der Ordnungsbehörde entfalten allein keine unmittelbare steuerliche Wirkung (BFH-Urteil vom 14.11.1969, III R 95/68, BStBl 1970 II S. 153).

      Es kann aber sein, dass das Finanzamt die An- und Abmeldung mitbekommt und dann entsprechende Fragen stellt. Diese sollten sich aber beantworten lassen. Mehr dazu findest du in meinen 3 anderen Artikeln zum Thema Wohnsitz, gewöhnlicher Aufenthalt und Lebensmittelpunkt.
      https://www.easydigitax.de/wohnsitz-abmelden/

      Viel Erfolg mit der Immobilie
      Michael

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